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Selbstbestimmtes Einschlafen – Ein anderer Blickwinkel, dennoch selbstbestimmt.

Wie definiert man selbstbestimmtes (Ein)schlafen eigentlich?

Sehr unterschiedlich, wenn man der Debatte folgt.

Selbstbestimmt schlafen. Essen. Spielen. Frühzeit Klogänge selbstbestimmt verrichten. Anziehen, usw. usf.

Es hat sich etwas verändert in der Elternwelt. Das Augenmerk liegt darauf, dem Kind viele Freiheiten zu bieten. Grundsätzlich sehr gut! Besonders zu finden bei Eltern, die die Unerzogen-Philosophie vertreten. Genau da sind wir beim Punkt. Es ist für mich, nicht mehr und auch nicht weniger – als eine Philosophie. Kein Konzept, Ideal und Religion, wo Fehltritte mit Konsequenzen bestraft werden. Stichwort: Authentisch statt perfekt.

Unerzogen ist ein Leitbild, ein Wegweiser für mich, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Ich kann mich sehr gut darauf besinnen, wenn ich mich wieder in alte ungeliebte Verhaltens- und Erziehungsmuster verstrickt habe.

Die derzeitige Debatte über das ‚Selbstbestimmte Schlafen‘ bringt mich etwas zum Schmunzeln.

 

Patentrezepte gibt es nicht.

Ich halte mich inzwischen gezielt von Gruppen fern, die immer wieder versuchten mir ein Patentrezept, für den Umgang mit meinen Kindern zu erteilen. Das funktioniert einfach nicht. Dieses schwarz/weiß. Entweder komplett selbst entschieden vom Kind, oder eben feste Zeiten vorgegeben von den Eltern.

Die Umstände, die Kinder, die Bindungen, die Eigenheiten sind einfach viel zu unterschiedlich, als dass man wohl möglich (sogar nur online) etwas qualifiziertes und auch hilfreiches dazu sagen könnte. Nicht immer wieder diese Patentrezepte der bedürfnissorientierten Lebensweise. Das Thema ist einfach sehr umfangreich. Deshalb schlucke ich die Frage: ‚Warum schläft mein Kind erst um 23 Uhr ein‘ oft herunter und sage nichts. Der Grund dafür ist meist, eben das selbstbestimmte zu Bett gehen lassen. Alles prima oder? Und was ist mit mir (als Mutter)? Ich bin 24/7 verfügbar. Irgendwann muss ich auch mal einfach nur da sitzen und nichts tun. Ich kann nicht jeden Tag bis 23 Uhr verfügbar sein, niemand arbeitet jeden Tag bis 23 Uhr. Auch Mütter (und Väter) nicht. Auch wenn das in Einzelfällen so gehandhabt wird, und bestens funktioniert. Aber eben nicht überall.

 

Du kennst dein Kind am besten.

Jede Mutter oder Vater, kennt das eigene Kind am besten. Nur sie (oder er) kann erspüren, wann das Kind wirklich müde ist. Ob selbstbestimmtes Schlafen, oder sagen wir: freie Wahl der Uhrzeit, überhaupt in Frage kommt. Wenn man kein Problem damit hat: Jeden Tag (oder sehr häufig) bis 22,23,00 Uhr wachzubleiben. Dann klickt diesen Beitrag hier weg, er richtet sich an diejenigen die im Zwiespalt stecken und sich anhören müssen, dass sie ihre Kinder nicht mehr selbstbestimmt (ein)schlafen lassen, sobald sie Rituale einführen was die Schlafenszeit angeht. Ich nenne diese Uhrzeit: Ritual (plus minus 1 Stunde).

 

Zitat von Mama arbeitet

Bei uns gibt es keine festen Schlafenszeiten, und das seit über 5 Jahren. Anfangs war das eine Notlösung, weil ich bemerkte, dass es mich und die Kinder fertig macht, wenn der Tag mit Anschreien und Tränen endet, weil ich versuchte, feste Bettzeiten einzuhalten.

 

Sehen wir das mal von einem anderen Blickwinkel aus?

Bei uns läuft es genau anders herum. Tränen und unsagbar lautes Geschrei, vollkommene Anarchie: Ein Anzeichen von Müdigkeit. Denn es wurde mir 10.0000 Mal bestätigt, dass mein Kind müde war und das ganze Geschrei, ein Anzeichen von Müdigkeit ist. Das ist meine Art selbstbestimmtes Einschlafen zu interpretieren. Sobald ich nur merke: Jetzt kippt die Stimmung (20.00-21.00 Uhr am Abend) werden Rituale wie: Zähne putzen, umziehen, noch mal toben, gemeinsam eingehalten, um behutsamen zu signalisieren: Jetzt ist es Schlafenszeit. Kinder in dem Alter (0-3) können sich nun mal nicht anders äußern. Danach gibt es die gewohnte Einschlafhilfe (Stillen, Flasche oder was auch immer).  Es wird viel erklärt, gesprochen. SPRECHEN, ist das A und O. fälschlicherweise denkt man vielleicht: Ach, das Kind versteht mich doch eh nicht. – Falsch, sie verstehen schon von Geburt an mehr, als uns vielleicht lieb ist.

Ich habe also gar keine andere Wahl, als diese Zeichen wahrzunehmen, um dann anschließend in den Schlaf zu begleiten.

Die Frage: Uhrzeit XY ins Bett, stellte (und stellt) sich mir also überhaupt nicht. Das ist ein anderer Blickwinkel, und dennoch selbstbestimmt.

 

Zuviel Freiraum, das macht mich irgendwann zum funktionierenden Roboter.

Was aber gleichermaßen (bei uns) nicht funktioniert hat ist: (Zu) Langer ausgiebiger Mittagsschlaf, oder nach 17 Uhr ein Powernap. Dann ist es nur logisch, dass man wach ist bis in die Puppen. Machen wir ja auch oder? Nur etwas gezielter und mit Absicht.

Familie sein bedeutet acht geben auf alle anderen. Nicht nur und ausschließlich: Acht geben auf den Nachwuchs, ohne Rücksicht auf einen selbst. Als Alleinerziehender, hat man eigene und die Bedürfnisse der Kinder zu beachten, das bedeutet realistischerweise mehr Freiraum, als in einer Familie. Und oft ist zu beobachten, dass diese Mütter sich mehr auf die Kinder konzentrieren können, ihnen (noch) mehr Freiraum lassen. Mehr Entscheidungsmöglichkeit, wie man das Schlafengehen gestaltet. Denn nicht selten ist genau das ein Thema welches die Elternpaare aneinander geraten lässt. (Ausnahmen bestätigen die Regel). Es fällt einem wohl möglich dann leichter zu sagen: ‚Wir haben keine festen Zeiten‘. Das gelingt auch nur, weil die Mutter flexibel ist und keine Rücksicht, auf den anderen arbeitenden Elternteil nehmen muss. Nein, das soll nicht heißen, dass 24/7 Mama sein keine Arbeit ist. Rücksicht nehme ich dennoch. Ich will damit auch nicht sagen, dass Kinder deshalb um Uhrzeit XY ins Bett müssen. Dennoch wird der Burn-Out schnell realität werden, wenn man 9 to 5 arbeitet und abends noch bis 23 Uhr zaubert. Durchaus gibt es bei uns auch solche Tage, die mal länger gehen, ganz einfach weil ich auch flexibel bin. 

Hochsensible Kinder und selbstbestimmtes Schlafen in der Praxis

„Hochsensible Kinder“ sagt man, brauchen Rituale. Nicht nur diese Kinder, ich weiß! Aber sie besonders, einigen wir uns darauf.

Da haben wir schon das Problem. Selbstbestimmt schlafen gehen wenn man davon ausgeht, dass das: Die Uhrzeit frei wählen bedeutet, verlief hier auf den ersten Blick super. Ein Ritual war das aber nicht. (Jeder Tag eine andere Uhrzeit) Und die dementsprechende Laune des Kindes, brauche ich ja nicht detailliert beschreiben. Unausgeglichenheit war die Folge und Unsicherheit habe ich vermittelt. So kam es mir zumindest vor. Selbstbestimmt bedeutet für mich nicht, freie Wahl bei allen Dingen im Leben zu lassen. 

Wie jemand so schön sagte: Meine Kinder sind gleichwertig, aber nicht gleichberechtigt. 

Meine These: Ein kleiner Fels (in der Brandung), geregelter Tagesablauf, Leitbild wie man es auch nennen mag, sollte schon vorhanden sein. Und mein Kind bestätigt mir das auch sehr. Dennoch ist selbst dieser Weg kein Patentrezept, es mag bei vielen anderen genau anders funktionieren. Und das ist doch der PUNKT.

Es gilt mal wieder, genau hinzuschauen und einen guten Kompromiss zu finden. Am Ende denke ich immer wieder. Sie sind nur EINMAL so klein, wo ist das Problem? Auf der anderen Seite, bin auch noch ich. Ich möchte nicht desillusioniert in den Tag starten, und nur noch funktionieren. Ich halte nichts von den Sprüchen: ‚Kinder müssen um 8 ins Bett, egal wie der Protest aussieht‘. Sie werden noch früh genug dahinter kommen, dass es keine gute Idee ist, jeden Tag bis 0 Uhr wach zu bleiben.

Meine Aufgabe ist es zu schauen: Ob der Tag genug geboten hat, um ausreichend Energie loszuwerden. Allein das erspart mir die Spätschicht (bzw. Party) im Familienbett. Falls nicht, dann ist das eben so. Es sind Kinder – keine Roboter. Oder wie würdest du es finden, wenn man dich jeden Tag um die gleiche Uhrzeit, zum schlafen (überreden) zwingen würde (egal ob du müde bist oder nicht) ?

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Wie macht ihr das? Schreibt mir hier einen Kommentar!

Bis bald.

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2 Kommentare zu „Selbstbestimmtes Einschlafen – Ein anderer Blickwinkel, dennoch selbstbestimmt.

  1. Bei unserem fast 4 Monate alten Hörnchen hat sich eigentlich von alleine ein Rhythmus ergeben. Das sieht so aus, dass das Baby 2-3 eher kurze Tagschläfchen macht, wann es halt müde ist, meist immer ungefähr zur selben Zeit… und abends zwischen halb 8 und 8 ist Bettzeit angesagt. Das ergibt sich aber daraus, dass unser Hörnchen zu der Zeit halt müde wird, das kann natürlich variieren. Manchmal ist es scho um viertel 7, manchmal erst um halb 9! Eine zeitlang hab ich das Kind auch ins Bett gesteckt, damit ich noch meine ‚Ruhe‘ hab und den Abend genießen kann.. Was natürlich mit Geplärre, da noch nicht müde, endete und daher wieder mit raus genommen wurde um erst einzuschlafen, als ich selbst schon streichfähig war! 😄
    Ich denke, ein Mittelweg ist hier das Beste, weil, wie du schon schreibst will keiner ins Betr wenn er noch nicht müde ist.
    Greets Cao

  2. Ich habe immer geguckt, wann die Kinder müde wurden. Das es meistens plus minus 1 Stunde die gleiche Zeit war, haben wir uns danach gerichtet. Die ersten Jahre gingen sie zwischen 6 und 7 schlafen. Das fand ich eigentlich doof, weil gerade im Sommer die schönste Nachmittagszeit unterbrochen wurde. Aber das schönste Wetter kann ja schlecht gelaunte Kinder nicht ausgleichen. 😀
    Mittlerweile hat es sich nich hinten verschoben. Ab 19 Uhr wird es Zeit ein Abendbrot anzubieten. Gegen 8 liegen sie im Bett und dann plaudern die drei noch bis halb 9.
    Ausnahmen gibt es immer mal. Aber im großen und ganzen fanden wir so einen Ablauf.

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