Allgemein

Gut, dass Kinder keine Erziehungsratgeber lesen.

Nichts gegen gewisse Bücher die einen im Tun bestätigen, denn nichts anderes tun sie. Ihr wisst schon.

Von Kindern das Wesentliche im Leben lernen

Wenn ich ehrlich bin, stellen sich mir oft ganz andere Fragen. Wenn ich fünf Stunden mit meinen Kindern als Regenbogen-Pony durch den Feenwald gekrochen bin oder wir auf Expedition im Playmobil-Dschungel waren, merke ich, dass sie sich in dem gemeinsamen Spiel nahezu selbst erziehen, sich moralische Fragen beantworten, ihr Wissen vermehren, ihre soziale Kompetenz ausbauen, ihre Fantasie lebendig halten und vor allem offen für Wunder bleiben. Und da kommt dann meine Frage ins Spiel: Wie kann ich ein ebenso großartiger Mensch wie meine Kinder werden?

Ich glaube fest daran, dass meine Kinder mir weitaus mehr beibringen, als ich ihnen jemals beibringen könnte. Ihr Glück ist ansteckend, ihre Faszination dem Leben und allen Formen des Lebens gegenüber ist beispielhaft. Sie sind wie sie sind, völlig unverstellt, und ihre Tugenden zeigen sich so natürlich wie ein Regenschauer, ein Kieselstein oder eine umherbrummende Hummel. Ihre Liebe teilen sie großherzig mit Menschen, Tieren und Stofftieren. Sie haben immer Zeit, sind nie in Eile – und ein schillernder Käfer auf der Hand ist immer noch viel interessanter und wichtiger als alles andere.

Manchmal habe ich das Gefühl, ihr Leben ist eine einzige Achtsamkeitsmeditation, denn ihre Augen, ihre Herzen und ihre Seelen sind offen für die Welt, ohne dass vorgefasste Meinungen ihre Wahrnehmung verzerren.

Henry David Thoreau hat einen schönen Satz geprägt, der das, wovon ich hier spreche, schön zusammenfasst: „Um zur totalen Wahrnehmung eines Gegenstands zu gelangen, muss ich ihn zum tausendsten Mal als etwas völlig Fremdes in den Blick fassen.“ Genau das ist es, was wir – neben vielen anderen Dingen – von unseren Kindern lernen können. Sehen ohne zu wissen. Staunen ohne einzuordnen. Wenn ich es mir recht überlege und es provokativ in Worte fassen möchte, könnte ich sagen, dass meine ganze Meditationspraxis eigentlich nur dazu dient, den einzigartigen Blick meiner Kinder nachzuahmen.

Sie sind ehrwürdige Meisterinnen, die gern rennen und hüpfen und rosafarbene Frottee-Schlafanzüge mit Ponys und Sternchen tragen. Sie sind ständig umgeben von einer wilden Horde aus Bären, Affen, Hunden, Löwen und Pferden. Sie sind Forscherinnen, Abenteurer, Tierärztinnen, Astronauten, Elfen, Zwerge, Orang-Utans, Baby-Tiger und Jedi-Ritter. Ein Kochlöffel in ihrer Hand verwandelt sich in Sekunden von einem Schwert in ein Stethoskop oder den Zauberstab einer Feenkönigin. Dann rennen draußen die Rehe vorbei – und sie stehen am Fenster, völlig absorbiert, aufgelöst im Schauen…

Eins ist mir klar geworden, seitdem ich Kinder habe: Je mehr Theorie und Konzept, desto weniger Welt!

( Zitat: Wer erzieht hier wen? )

Irgendwann dachte ich mal, ich bekomme genau die Kinder die das Gegenteil von mir sind, so energiegeladen, extrovertiert, aufgeweckt, begeisterungsfähig. Weil ich dachte, dass ich nicht so bin. Wie Ying und Yang, so zum Ausgleich. So wie der Kosmos positiv und negativ, dennoch Chaos. Damit mein Leben nicht in Routine, Depression, Alltag, und Sinnfragen unter geht. Nein, ich war auch mal so. Bin es immer noch, nur ist es irgendwie abhanden gekommen, gezügelt worden durch das Leben. Erwachsen, kopfgesteuert, und vernünftig eben.

Täglich kommt dieses Gefühl wieder, dieses: Wieder mit Kinderaugen sehen. Leichtigkeit des Lebens. Aber auch die ungefilterten Emotionen, non stop! Das ist es, was den Alltag manchmal schwer werden lässt. Kinder lassen ihren Gefühlen freien lauf (wenn man sie lässt) und ich muss sie angemessen behandeln, es fällt mir nicht immer leicht. Aber man wird ja Chaosmanager, so als Mutter und Vater. Gefühlschaosmanager. Tag ein, Tag aus. Neben den ganz anderen Dingen und Welten, die Kinder wieder für einen öffnen. Verschlossene Türen, dachte ich. Nein, dein Kind reicht dir den Schlüssel, schließt sie wieder auf! Zum Beispiel beim Spaziergang. Ich bin so dankbar, mehr wollte ich nicht sagen.

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Alle Fotos Copyright by URNATURAEN

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