Allgemein

Fühlkraft Kinder – Wenn die Welt zu viel wird.

1

Was tun? 24 Stunden zuhause bleiben? Menschen meiden? Das geht nicht. Unser hauptsächlicher (Außen)Kontakt besteht aus Nahrungsmittelbeschaffung und Bummeln, meist im Gedränge. Denn alle haben keine Zeit. Sind auf der Flucht, so scheint es. An der Kasse, erwische ich mich oft dabei alles so schnell wie möglich einzupacken, damit mich bloß niemand schräg anschaut – oder die Kinder ungeduldig werden. Wir werden alle mal im Zeitdruck gewesen sein und uns über die Oma vor uns aufgeregt haben, die 10 Minuten lang ihr Kleingeld zählt. Aber wieso? Wieso sind wir so gestresst, wieso muss alles immer schnell gehen?

Mittlerweile bin ich darin ziemlich geübt. Zack Zack, jeweils ein Kind in einen Einkaufswagen oder eines getragen. Multitasking. Automodus. Mombie. Dabei bloß nichts vergessen, sonst fehlt eine wichtige Zutat für das Abendessen. Bisher verlief das Ganze mehr oder weniger problemlos. Tagesformabhängig. Genug- schlaf- gehabt abhängig, Schubabhängig, Launenabhängig. Kinder sind da noch sehr frei, sie lassen uns zur jeder Zeit wissen, was sie gerade bewegt oder stört. Ungefiltert kommt alles heraus. Ich habe mir das bis in die Erwachsenenwelt bewahrt, was mich oft in Schwierigkeiten bringt. Es wird nicht verstanden. fehlinterpretiert. Als schwierig abgekanzelt. Kinder die ihren Emotionen freien Lauf lassen dürfen, haben es ja auch schwer in unserer Gesellschaft. Das muss doch unterbunden werden, sonst bleibt das doch für immer? So ein Nasen-herumtanzender Egoist.

Nein, wir lernen dann nur unsere Emotionen zu unterdrücken, mehr nicht. Haben wir uns nicht alle schon einmal gefragt, woher diese unterschwellige (oder auch nicht) Unruhe oder auch Aggression stammt in Stresssituationen? Wir haben wohl möglich, schon als Kind nicht lernen dürfen damit umzugehen. Mit unseren Emotionen klar zu kommen. Jeder tut das ganz anders, jeder lernt das anders. Das zu erlernen – an sich, ist der springende Punkt. Tun wir das nicht, oder wurde es nicht zugelassen durch Autorität und ständige Maßregelung der Eltern, kehrt dieses ungelernte sehr wahrscheinlich später als „Problem“ wieder zurück. Vielleicht kehrt sogar der Moment wieder, wo wir allen Gefühlen freien Lauf lassen dürfen, und auf unserem ganz persönlichen und individuellen Weg noch einmal auf’s Neue versuchen, damit angemessen umzugehen.

So geschah mir, und so kann ich ganz gelassen damit umgehen, wenn mein Kind (mal) unsagbar laut schreit im Supermarkt. Es schauen mich natürlich alle so an, als wäre ich die Rabenmutter (sind ja bekanntlich gute) vom Dienst – und könne nicht mit meinen Kindern umgehen. Schlecht „erzogen“ sind sie ja sowieso, weil ich nicht augenblicklich was dagegen unternehme. So dachte ich als kinderlose damals übrigens auch, über schreiende Kinder. Durchaus kommt auch in mir dieses Standardbild hoch, immer seltener zum Glück. Dieses Wut-schäumende Elternteil. – „Jetzt sei doch endlich still – Immer das Gleiche mit dir. Wieso habe ich das verdient. Diese „Terrible Two“ sind ja doch wahr. Nein Moment, du bist doch schon über 2.“ Es muss also zwischenmenschlich sein, und diese kleine Gabe dazu, diese Hochsensibilität, dieses Biest. Ein Biest ist es nur, weil es dich ganz schnell aus der normalen Welt katapultiert.

 

ERKENNEN

Problematisch wird es, wenn die Familie die Besonderheit gar nicht erkennt, nicht in der Lage ist, damit umzugehen oder noch schlimmer, wenn das „Anderssein“ negativ bewertet wird und ein Anpassungsdruck erfolgt. (Zitat: t-online.de) Siehe: Du bist nicht falsch, nur autonom und anders.

AUSTRETEN

13254572_934128670033436_257656184696261349_n

Aus dieser Hektik. Durchgeplante Wochenenden. Durchgeplante Urlaubsreisen. Durchgeplante Alltage. Meistens klappt davon doch eh nur 20% oder? Das „irgendwas ist immer“ liegt doch in der Sache der Natur eines Elterndaseins. Austreten und Reizüberflutung wahrnehmen. Ich bin durchaus erstaunt, wie ein reissender lauter Wasserfall – in meinen Kindern keine Unruhe und Aggressivität auslöst. Menschenmassen. Autos. Volle Supermärkte. Fremde Menschen und Stimmen aber schon.

 

Auf der einen Seite ist das hochsensible Kind

und auf der anderen Seite ist die Welt wie sie ist.

Dies hier soll keine Glorifizierung und kein Freifahrtschein sein, für diese „Fühlkraft Kinder“ – auch das ist ein extrem. Erkennen ist wichtig. Diese Menschen bringen ein Geschenk mit. Sie sind nicht ’schwierig‘, boshaft, aggressiv. Sie brauchen nur manchmal unsere Hilfe, unser Mitgefühl, unsere Assistenz.

Weiterführende Literatur:

Die Pionierin im Bereich Hochsensibilität, Dr. Elaine N. Aron hat das bisher ausführlichste Buch über hochsensible Kinder verfasst: „Das hochsensible Kind – Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen“.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s