"Ist mir egal was du sagst Mama." - Du bist nicht falsch nur autonom und anders.

"Ist mir egal was du sagst Mama." – Du bist nicht falsch, nur autonom und anders.

   
 „Ich geh Barfuss, ist mir egal was du sagst Mama.“
Ich fühl mich manchmal ganz schön allein. Mit all den Randgruppen-Weltanschauungen. Sei es Hausgeburt oder Alleingeburt, sei es Selbstbetreuung, sei es (der Versuch) unerzogen zu sein, sei es unschooling, sei es pflanzlich essen. Anders denken als die Mehrheit in dieser Gesellschaft ist nicht einfach, oder sagen wir die Praxis. Es ist ja fast klar, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Ich musste selbst erst lernen, dass ich nicht falsch bin – nur anders. Ein wichtiger Punkt – den wir an unsere Kinder weitergeben sollten. Aber warum Zweifel ich überhaupt?

NICHT WISSEN, WARUM
Dass die Umgebung den Kindern spiegelt, dass sie „anders“ sein, müsste nicht zu einem negativen Selbstbild führen. Wenn wir in einer Kultur leben würden, in denen es selbstverständlich ist, dass alle Menschen anders und einzigartig sind, würde ein Kind, das sich als anders erfährt, vielleicht nur mit den Schultern zucken und weiter spielen. Doch so weit sind wir längst noch nicht. Unausgesprochen herrschen immer noch jede Menge Vorstellungen davon, was „normales Verhalten“ ist.  Und hochbegabte und kreative Kinder entwickeln sich in manchen Punkten ja tatsächlich anders als die Mehrzahl der Altersgenossen. Viele spüren früher eine eigene Motivation, entwickeln früher eine eigene Moral und hinterfragen Autoriät. Das Problem ist nicht, dass diese Kinder sich anders verhalten, sondern dass sie nicht wissen, warum sie es tun. Weil wir ihnen nicht erklären, was mit ihnen „los“ ist, ziehen sie ihre eigenen Schlüsse. Sie vergleichen sich mit anderen und stellen fest, dass sie selbst nicht der Norm entsprechen. Da wir ihnen kein anderes Erklärungsmodell geben, bleibt ihnen nur, sich selbst als „falsch“ zu beurteilen. 


„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Søren Kierkegaard 


FALSCH SEIN
Dieses Gefühl „falsch“ zu sein zieht sich bei vielen begabten Menschen dann durch ihr ganzes Leben. Sie sind sich selbst suspekt und unheimlich. Sie hassen sich, weil sie es nicht schaffen „normal“ zu sein. Sie wünschen sich „eine andere“ zu sein. Wollen all die Eigenschaften, die sie als „falsch“ erfahren loswerden. Und sind daher in einem fortwährenden Zweikampf mit sich selbst. Versuchen, das „falsche“ Selbst zu unterdrücken und sich ein anderes zu erarbeiten. Damit unterdrücken sie aber auch das, was ihre Persönlichkeit ausmacht. Fragen, die sie treiben. Kräfte, die in die Welt wollen. Wünsche, die aus dem Herzen kommen. Indem sie ihre wahre Persönlichkeit unterdrücken, unterdrücken sie das, was ihnen Energie gibt, was sie lebendig macht. Daher stammt das Gefühl „nichts“ hinzukriegen: Sie kriegen viel hin, aber nicht das, was sie eigentlich tun wollen, was in ihrem Innern funkelt und glüht und sich äußern möchte. Weil sie sich selbst so einschränken, kriegen sie aber auch das nicht hin, was sie von sich erwarten: Sie kriegen Ärger mit Kollegen oder Chefs. Sie wechseln immer wieder den Job und machen dadurch nie die Karriere, die ihren Fähigkeiten entsprechen würde. Sie gründen eine Unternehmung aber geben nach kurzer Zeit auf, weil sie von Selbstzweifeln überrannt werden.

(begabungswerkstatt.de)


AUTONOM UND ANDERS

Autonome Kinder lassen sich nicht manipulieren, sie sind mit der Weisheit geboren, dass sie Distanz brauchen um Nähe zulassen zu koennen. –  Jesper Juul


WAS HAT JETZT ANDERS SEIN MIT AUTONOM ZUTUN?

Kritiker und Freunde der alten Schule, mögen jetzt behaupten es gäbe einen neuen Begriff – für diese neue Kuschelpädagogik. Kinder die machen dürfen was sie wollen und einem sowieso nur auf der Nase herum tanzen, nennt man jetzt einfach autonom. Durchaus könnte man meinen, dies kommt von Menschen die: Entweder selbst keine Kinder haben, oder einfach nicht reflektierend sind. Anders kann ich es nicht beschreiben. (vorsicht IRONIE) Unachtsam und glücklich (oder auch nicht) hat auch Vorteile in dieser Welt. Der Weg des geringsten Widerstandes auch. Ich muss mich weder mit mir Selbst noch mit anderen beschäftigen und wundere mich nur über die ständigen Konflikte. Die ich dann einfach ganz schnell wieder im Keim ersticke. Als Elternteil habe NUR ich natürlich das Sagen. Die Reaktion darauf oder die Resignation eines Kindes, wird dann einfach als ‚gut erzogen‘ betrachtet. Wie logisch und dann sitzen wir mit 25 beim Psychiater. Die Zeit wo man für gewöhnlich stärker anfängt das Leben zu reflektieren. Die erste Frage des Psychologen: Wie war ihre Kindheit? Wie war das Verhältnis zu ihren Eltern? Wie war ihr Umfeld beschaffen

Da setze ich an. Kinder autonom SEIN LASSEN. Damit ist man durchaus ANDERS in dieser Welt. Im Montessori oder Waldorf Kindergarten mag es noch sehr individuell zugehen. Später in der Regelschule, oder in der Arbeitswelt sieht es ganz anders aus. Das ist die Realität. So kommt man zu dem Gedanken des unschoolings, ich zumindest. Was in Deutschland übrigens seit dem dritten Reich bis heute verboten ist! So gelangt man zum Auswandern. Aber das sind andere Themen. Die ich, wenn sie Spruchreif sind mit euch teilen werde.

WIE JETZT?

„Ich nenne sie „autonome Kinder“, weil ihre Neigung, sich abzugrenzen, schon von Geburt an stärker ausprägt ist als bei anderen. (…) Sie unterscheiden sich (…) von der Mehrzahl der Kinder, die es liebt, mit ihren Eltern zu verschmelzen, und willig ihre eigenen Grenzen aufgibt, um Wärme und Fürsorge zu erfahren.

Ihr Verhalten ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie weitgehend unempfänglich für das sind, was wir gemeinhin als Fürsorge verstehen. Sie sind oft allergisch gegenüber Körperkontakt, der nicht von ihnen ausgeht, und weichen vor jedem erwachsenen Verhalten zurück, das nicht vollkommen authentisch und frei von pädagogischer Manipulation ist. Bei einigen äußert sich dieses Verhalten vorwiegend zu Hause, bei anderen aber auch im Kindergarten und in der Schule.

Ihre Eltern stellen diese Kinder auf eine harte Probe, weil diese ständig das Gefühl haben, dass sie sich nicht richtig verhalten oder dass ihre Liebe abgewiesen wird. (…) Autonome Kinder haben dasselbe Bedürfnis nach Nähe und Fürsorge wie alle anderen Kinder, doch insistieren sie darauf, selbst über deren Zeitpunkt und Umfang zu entscheiden. Ihr Verhalten verdeutlicht den grundlgenden Konflikt aller Menschen zwischen den Bedürfnissen nach Zusammengehörigkeit und Unabhängigkeit.

Bildlich gesprochen lassen sich andere Kinder gern füttern und später bedienen, während man den autonomen Kindern ein Büffet aufbauen muss, von dem sie sich selbst bedienen können. Sie nehmen ihre persönlichen Grenzen ungeheuer ernst und sagen nur dann „ja“, wenn sie die absolute Wahlfreiheit haben. In vieler Hinsicht benehmen sie sich wie reife Erwachsene, die ein ausgeprägte Selbstbild haben.

Wenn Eltern unaufdringlich ihre Hilfe anbieten und sich aller Erklärungs-, Motivations- und Manipulationsversuche enthalten, dann nehmen autonome Kinder diese Hilfe gern an. Ihr Körper entspannt sich, und ihre Erleichterung, der Einsamkeit entronnen zu sein, wird deutlich. Erst wenn die Eltern ihre Eigenart voll und ganz akzeptieren, lassen sie es zu, dass man sich um sie kümmert und sie umsorgt. (Nein aus Liebe – J.J.)

Ca. 15-20 % der Kinder sind von Anfang an „Autonom“.


Diese Kinder
  • Kennen und beachten ihre Bedürfnisse genau und ohne Ausnahme
  • Wollen immer ihre Würde und Integrität wahren 
  • Nehmen ihre persönlichen Grenzen ernst
  • Lassen sich nicht manipulieren
  • Mögen keinen Körperkontakt, der nicht von ihnen ausgeht
  • Weichen vor jedem erwachsenen Verhalten zurück, das nicht vollkommen authentisch und frei von pädagogischer Manipulation ist
  • Sagen nur dann Ja, wenn sie die absolute Wahlfreiheit haben
  • Benehmen sich oft wie reife Erwachsene, die ein ausgeprägtes Selbstbild haben


Umgang mit autonomen Kindern
  • Offen reden
  • Authentisch sein und reden („Ich-Form“, klare persönliche Ansagen)
  • Danach eine Pause einräumen
  • Nachfragen nach Bedürfnissen: „Was brauchst du?“ „Was willst du?“
  • Wahlmöglichkeiten bieten (bei Zeit, Varianten, Ablauf, Materialien)
  • Vermeiden Sie
    • Körperkontakt (außer vom Kind initiiert)
    • Jegliche Pädagogik
    • Jeglichen Machtkampf


Selbst b e w u s s t sein als Schlüssel 
zu guten Beziehungen

Die stärkste Form der Rebellion, ist Ihre Fähigkeit nicht aufzuhören sich selbst zu lieben. Egal wie oft die Welt versucht dich zu ändern. Die wichtigste Beziehung ist die zu dir selbst. Sie wird dir in allen Beziehungen widergespiegelt.

Habt ihr ähnliche Erfahrung? 
 

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3 Kommentare zu „"Ist mir egal was du sagst Mama." – Du bist nicht falsch, nur autonom und anders.

  1. Herzensdank für diesen tollen Artikel, das spricht mir aus dem Herzen und ja, unser Sohn ist auch autonom und es fordert mich und uns und wir dürfen wachsen 🙂 Tolle Arbeit, die du machst, ich stöbere gerne hier ❤

    1. Es ist eine ganz schöne Aufgabe, da hast du Recht! Fluch & Segen, wie man so schön sagt! Kopf hoch! : -)

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