Das Leben VOR den Kindern · idonotregretmotherhood

Ja, es gab auch ein Leben vor den Kindern.

ICH BEREUE NICHTS
#idonotregretmotherhood
Nein ich bereue (siehe #regrettingmotherhood) die Mutterschaft nicht. Nein ich will mein ‚Leben‘ vor den Kindern nicht zurück. Es war anders, das ist ja klar. Aber ich vermisse es nicht. Ich bin keine 18 mehr – wo ich jedes Wochenende durchgefeiert habe bis 6 Uhr morgens. Ich war nie ein enthusiastischer Partygänger, ich bin immer nur mitgegangen. Heute habe ich manchmal schon noch das ‚Verlangen‘, nach einem Abend NUR für mich. Wenn man aber dann dort ist, bereut man es ganz schnell wieder. Man ist gedanklich ständig zu hause. Läuft alles glatt, weint jemand, schaut ständig auf das Telefon. Ach, ein graus. 

Viele Mütter beklagen sich, sie hätten zu wenig ‚me time‘. Ist ja auch einläuchtend. Allein mit wohlmöglich mehreren Kindern, den GANZEN TAG. Ja, was macht sie da bloß den GANZEN TAG. Däumchen drehen und der Rest macht sich von ganz allein /ironieoff. „Wenn Eltern zu wenig Unterstützung durch einen Clan haben, wird der Schlaf des Babys plötzlich zu einer unverhältnismässig relevanten Grösse“ so Nicola Schmidt von Artgerecht. Nicole bezieht sich auf den Schlaf, das große  Ungetüm. Ich denke, diese Wahrheit bezieht sich nicht nur auf den Schlaf. Aber das ist ein anderes Thema…

MEINE ZEIT IST DER AUGENBLICK 
Meine Zeit (für mich allein) WIRD wieder kommen. Ganz sicher sogar. Die Flügel werden wachsen und ich werde nicht wissen, was ich plötzlich mit meiner Freizeit anfangen soll, ist doch so oder? Kaum schlafen die Kinder. WAS TUN? So viele Möglichkeiten der Freiheit AUF EINMAL. Schlafen? Lesen? Duschen? Haushalt? 

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.“ Sagte Astrid Lindgren.

Habe ich nicht, kann ich vielleicht auch nicht. In der Zeit blogge ich meistens, oder lese tatsächlich mal ein Buch an. Meine Konzentration und mein Gedächnis lassen langsam zu wünschen übrig, herrlich dieser Schlafmangel und auch interessant wie wenig SCHLAF ein Mensch wirklich braucht (kaffee-schlürfend geschrieben).

MIT KINDERN WACHSEN
Kinder sind so eine unfassbare Bereicherung, ich kann es manchmal nicht fassen. „Wenn die Kinder so aufwachsen, wie ich es lehre, werden Kinder nichts von all dem tun!“ Exakt DAS veranlasst mich immer wieder dazu, mein eigenes Verhalten und Kindheit zu reflektieren. Ich lerne täglich sehr viel über mich selbst und wachse MIT den Kindern. Lernen hört nie auf! Kindern lehren einen die Welt wieder anders zu sehen, so zu sehen wie wir sie einmal gesehen haben, es uns aber abtrainiert wurde. Ein inneres Feuer, welches wir über die Zeit verloren haben.
Dazu ein Auzug aus dem Buch ‚Auf der Suche nach dem verlorenen Glück‘

Das Ergeignis trug sich zu auf einer Wanderung in den Wäldern von Maine, wo ich in einem Sommerzeltlager lebte. Ich war die letzte der Gruppe: Ich war ein wenig zurückgeblieben und beeilte mich gerade, den Abstand aufzuholen, als ich durch die Bäume hindurch eine Lichtung erblickte. Eine prächtige Tanne stand in ihrem Außenrand und in der Mitte ein kleiner Erdhügel, bedeckt von glänzendem, fast leuchtendem, grünem Moos. Die Strahlen der Nachmittagssonne fielen schräg auf das blauschwarze Grün des Nadelwaldes. Das kleine Dach, das vom Himmel zu sehen war, war von vollkommenem Blau. Das ganze Bild war von einer Vollständigkeit, einer solche Vollkommenheit konzentrierter Kraft, dass es mich abrupt stehenblieben ließ. Ich trat an den Rand der Lichtung und dann, behutsam wie an einen magischen oder heiligen Ort, in ihre Mitte, wo ich mich setze und dann hinlegte, die Wange gegen das frische Moos gepresst. ‚Hier ist es‘, dachte ich, und ich fühlte die Angst, die mein Leben durchzog, von mir abfallen.

Dies endlich war der Ort, wo die Dinge so waren, wie sein sollten. Alles war an seinem Platz. Der Baum, die Erde darunter, der Felsen, das Moos. Im Herbst würde es richtig sein, im Winter unter Schnee vollkommen in seiner Winterlichkeit. Der Frühling würde wiederkehren, und Wunder auf Wunder würde sich entfalten, jedes zu seiner Zeit; manches wäre abgestorben, anderes entfaltete sich im ersten Frühling; aber alles von gleicher und vollkommener ‚Richtigkeit‘. Ich spürte, dass ich die fehlende Mitte der Dinge entdeckt hatte, den Schlüssel zur Richtigkeit selbst, und dass ich mir dieses Wissen, das an jenem Ort so klar war, bewahren müsse.

Einen Augenblick lang war ich versucht, ein Stückchen von dem Moos mitzunehmen, um es als Erinnerung zu behalten: aber ein recht erwachsener Gedanke hielt mich zurück. Ich fürchtete plötzlich, dass ich, indem ich mir ein Amulett aus Moos aufhob, den wirklichen Preis verlieren könnte; die Einsicht, die ich gehabt hatte. So könnte es geschehen, dass ich meine Vision als gesichert betrachten würde, solange ich das Moos behielt, nur um eines Tages festzustellen, dass ich nichts als ein Krümelchen toter Vegetation besaß.

Ich nahm also nichts, gelobte mir aber, mich jeden Abend vor dem Zubettgehen an die Lichtung zu erinnern und mich dadurch niemals von ihrer stabilisierenden Kraft zu entfernen.

Ich wusste schon als Achtjährige, dass die Verwirrung der Wertbegriffe, die mir von Eltern, Lehrern, anderen Kindern, Kindermächen, Jugendarbeitern und anderen aufgedrängt wurde, mit meinem Heranwachsen nur schlimmer werden würde. Die Jahre würden noch Komplikationen hinzufügen und mich in ein immer undurchdringlicheres Dickicht von Gutem und Schlechtem, Wünschenswertem und Unerwünschtem hineinsteuern. Ich hatte bereits genug erlebt, um das zu wissen.

Wenn ich aber die Lichtung bei mir behalten könnte, so dachte ich, würde ich mich nie verirren.


Wie schöpft ihr Kraft? 
Hinterlasst mir gerne hier auf dem Blog, oder bei Facebook ein Kommentar.
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2 Kommentare zu „Ja, es gab auch ein Leben vor den Kindern.

  1. Ich finde die #regrettingmotherhood Debatte ganz schrecklich und sie leuchtet mir auch überhaupt nicht ein: Wieso soll eine Zeit in meinem Leben schöner gewesen sein, in der sich alles nur um mich gedreht hat?

    Ich finde das nicht reizvoll,ich finde es eher öde.

    Ich bin nämlich gerne für andere da, ich lerne gern von und mit meinen Kindern und an dem alltäglichen Chaos wachse ich.

    Vielleicht ist das Erwachsenwerden – wenn es das ist, gefällt es mir ziemlich gut.

  2. Hallo und lieben Dank für den Artikel.
    Nun ja, ich bin ehrlich, es gab Momente in denen ich das Gefühl hatte: „ich hab doch auch noch ein Leben“ oder „Ich möchte mein „altes“ Leben zurück“….
    Und ich scheue mich nicht, so zu empfinden.
    Schau ich dann dahinter, merke ich, was eigentlich fehlt: Schlaf, Unterstützung des Partners, ein „Clan“, oder schlichtweg meine Bereitschaft anzunehmen was ist.

    Ich hatte noch nie die Chance geschenkt bekommen in einem so rasanten Tempo zu lernen, wie in den 5 Jahren, die unser Sohn jetzt bei uns ist.
    Durch eine schwere Geburtskomplikation traumatisiert, hing ich lange dem Leben „davor“ nach.
    Es schmerzte und mir fehlte die Leichtigkeit.

    Heute führe ich mein Leben „davor“ einfach weiter, mit Kind 🙂
    Seit ich mir erlaube ähnlich verrückte Dinge immer noch in mein Leben einzuladen und in
    meinen Prägungen immer mehr „Unwahrheiten“ entdecke, was angeblich mit Kind nicht mehr möglich sei – entfaltet sich die ganze Freude und Freiheit 🙂

    Wir gehen heute einen „anderen“ Weg und ich fühle mich sehr inspiriert <3 Danke :)

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