Alleingeburt · Alleingeburt beim dritten Kind - 'Mir war klar - das zieh ich durch!' · Geburtsbericht

Geburtsbericht: Alleingeburt beim dritten Kind – ‚Mir war klar – das zieh ich durch!‘

#positivegeburtskultur
Das ist meine neue Rubrik und sie wird reichlich gefüllt mit Geburtsberichten. 




März 2016 – Hanna Ostera entscheidet sich für eine Alleingeburt mit ihrem dritten Kind. Sie sagt: Ich wollte nie im Krankenhaus gebären, ich habe mich aber immer dazu  drängen lassen, weil ich über ET gegangen bin und man im Geburtshaus dann ebenfalls zur Einleitung drängte. Beim dritten Kind war mir dann alles egal. Eine Freundin von mir ist Hebamme und mit ihr war ich bereit ins KH zu gehen. Bis ich in der 36ssw beschloss (nach einer nächtlichen Magen Darm Attacke in der mir klar wurde -ich will alleine und nur mit meinen Kindern in der Nähe gebären) eine AG zu machen. Da laß ich dann in vielen Blogs, auch Sarah Schmidts Buch „Alleingeburt“ und mir war klar – das zieh ich durch, denn nichts erschien mir sicherer, als meinen Körper dem Lauf der Natur zu überlassen. Ohne äußere Einflüsse würde ich instinktiv spüren was zu tun ist.


Ich war am Abend sehr spät ins Bett gegangen und wachte Samstag früh um 8uhr mit einem harten Bauch auf. Da ich den Errechneten Geburtstermin schon eine Woche hinter mir gelassen hatte, wünschte ich mir schon lange den Geburtsbeginn herbei, machte mir aber keinerlei Hoffnungen dass das jetzt eine Wehe sein könnte. Meine zwei älteren Kinder (4 und 6 Jahre alt) waren bei einer Freundin. Dort sollte ich sie um 12uhr dann abholen, weil wir anschließend zum Geburtstag meiner Mutter fahren wollten.

Ich kochte mir dann erstmal einen Tee und überlegte einen Spaziergang zu machen um Äste für den Osterstrauch zu sammeln. Entschied mich aber dazu erstmal noch im Internet nach ein paar Filmen für die Kinder zu kucken, da ich für die Zeit nach der Geburt eine kleine Playlist in Petto haben wollte 😛

Ab 10uhr merkte ich dann immer wieder ein Ziehen im Bauch. Es war nicht schmerzhaft, ich vermutete aber Wehen und notierte mir dafür nebenher die Abstände. Tatsächlich: alle 7min kam das Ziehen zurück! Ich freute mich!
Als ich realisierte dass die Geburt heute anstehen könnte, verschob ich meinen Spaziergang vorerst weiter und schrieb meiner Mutter eine kurze Nachricht: Ich habe leichte Wehen und würde ihr die Kinder später bringen, aber evtl nicht auf ihrer Geburtstagsfeier bleiben, sondern nach Hause fahren.

Ich ging zum WC und merkte dass das Ziehen immer heftiger wurde. Ich war überrascht von der Intensietät und startete meine Wehenapp. Es war kurz vor 11uhr mittags und ich sollte das Bad nicht mehr ohne Baby verlassen 🙂


Ich merkte (wegen der App, gefühlt hätte ich das nicht als beginnende und endende einzelne Wellen erkannt) dass der Abstand nun nur noch 2min betrug. Die Wellen waren dabei immer zwischen 40 und 60sec lang. In den kurzen Pausen schrieb ich „Befehle“ an meine Freundin. Sie solle sich mit meiner Mutter wegen der Kinder absprechen, ich könne in kein Auto mehr steigen.

Ich verschwieg ihr aber meinen „Alleingeburtswunsch“ aus Angst vor unnötiger Panik ihrerseits und Rechfertigungszwang meinerseits.

Dann leerte mein Körper alles was an unnötiger Ballast in mir drin war und die Wehen wurden so stark, dass ich leise zu Tönen begann. Nach einer sehr heftiger Welle bekam ich immer eine etwas längere „Verschnaufpause“. War die Wehe durch tönen oder eine bestimmte Halten garkeine Anstrengung, kam direkt danach wieder die nächste (ohne richtige Pause). Hatte ich Pausen, holte ich mir ein Glas Wasser, Wickelunterlagen oÄ und eilte dann mit Anrollen der nächsten Welle schnell auf den Badezimmerboden oder das WC um zu Tönen und zu schaukeln, je nachdem was mir den Druck der Welle am besten nahm.

Um kurz vor 12uhr fing ich immer stärker an zu zittern. Ich fühlte nach meinem Muttermund, der war ca 3-4cm geöffnet, aber der Gebärmutterhals noch nicht komplett verstrichen. Da mir beim Zittern auffiehl wie eisigkalt meine Hände und Füße geworden waren, während ich eigendlich schwitzte, war mir klar mein Körper braucht Wärme. Ich saß immer noch auf dem WC und dachte: „Ins Wohnzimmer um ne warme Decke zu holen, das schaffst du mit den Wehen nicht!“ Also ließ ich warmes Badewasser ein. 

Um 12uhr setzte ich mich ins Wasser, die Wanne war nichtmal halbvoll, ich hatte die ganze Zeit die Augen geschlossen um mich voll auf die Wellen einlassen zu können und da hörte ich meine Mutter und meine Freundin (die die Kinder hatte) in die Wohnung kommen. Ich rief ihnen zu sie sollten mich bitte in Ruhe lassen, es ginge mir gut und ich sei im Bad. Sie packten die Sachen für die Kinder. 

Meine Mutter öffnete kurz die Badezimmertür und war wohl etwas geschockt mich mit geschlossenen Augen leise tönend in der Wanne zu sehen. Sie meinte nur „Geht es schon los?! Hast du schon richtige Wehen?!!! Du musst noch ins Krankenhaus!!!“ (Ich hatte ihr erzählt dass ich gern zu Hause entbinden würde, sie hatte dafür vollstes Verständnis, in diesem Moment aber schien sie erst zu realisieren wie ernst ich das gemeint hatte und bekam wohl Angst ich würde mich überschätzen.) Ich versuchte mich zusammenzureißen und nicht „wehend“ zu wirken, sagte aber in ungewohnt barschem Ton: „Geh einfach!!!“ Als sie die Tür wieder schloss um die Wohnung mit den Kindern zu verlassen, kam eine Welle, die sehr heftig und plötzlich auch schmerhaft war (das waren die vorherigen nicht)! Ich tastete und spürte wie die Fruchtblase (wie ein Ei) schon im Geburtskanal hing. Kurze Panik. „Jetzt?! Was mache ich wenn es schmerzhaft wird, ich KANN nicht mehr ins Auto!!!“ Aber dann sagte ich mir selber ich müsse nur entspannen, die Wehe annehmen, das Kind hinunter atmen.

In dem Moment wurde mir schlecht, es rollte eine sehr starke Wehe an. Ich hechelte und pustete (und wunderte mich selbst darüber). Ich hatte die Wahl zu würgen oder zu pressen! Ich schob (presste) das Kind hinunter. Ich fühlte mit der Hand und konnte es nicht ganz glauben.

Dann noch eine Welle. Ich sah eine (mit einem „puff!“ platzende) gelblich/weiße Wolke unter Wasser. Fruchtblase geplatzt! Nun kam wieder eine Schiebewelle und während ich noch überlegte, ob ich überhaupt schon mitschieben „darf“ und ohne dass dabei die Schamlippen reißen (vermutlich dank der Krankenhauserfahrungen der anderen Geburten, wo Hebammen bestimmen wann „gepresst werden darf“), glitt das kleine Köpfchen aus mir.

Ich sah es und staunte, dachte kurz die Nabelschnur zu sehen, fühlte dann aber mit den Fingern dass es ein Öhrchen war und in dem Moment dreht sich der Kleine Körper in mir, dass Gesichtchen schaute zu meinem rechten Oberschenkel und ich schob den restlichen Körper hinaus. Da war es wohl 12.15uhr?

Ich ließ das Kindlein kurz im Wasser, nahm es dann vorsichtig hoch und stellte beruhigt fest, dass so eine Nabelschnur verdammt lang sein kann! Die Kleine atmete (jaaaa) und ich war erstaunt über ihre rosige Farbe. Und das noch reichlich Käseschmiere vorhanden war fiel mir auf. Ich konnte mich bequem in der Wanne aufsetzen, enthedderte die Umwicklung (um den Hals) und konnte die Kleine auf meinen Brust legen. 

Ich rief meiner Freundin zu (die in der Küche geblieben war, seit meine Mutter mit den Kids das Haus verlassen hatte) „Du kannst kommen, das Baby ist da!“ und sie kam zur Tür rein und war erstmal total neben sich, konnte es kaum fassen und fragte ob sie „atme“. Jaaaa. Natürlich atmete mein kleines Mädchen 🙂
Ich bat meine Freundin Fotos zu machen und die Hebamme anzurufen. Ihr kamen erstmal vor Rührung die Tränen und 15min später war die Hebamme da (allerdings ohne Equipment um die Nabelschnur zu durchtrennen.)

Da die Kleine kein Interesse an meiner Brust zeigte, sondern sich nur an mich kuschelte um direkt zu schlafen (was mich irritierte) war ich verunsichert wie das mit der Nachgeburt laufen sollte. Die Hebamme bat mich zu überprüfen ob die Nabelschnur schon auspulsiert hatte (ja, sie war komplett weiß und ziemlich dünn) und erklärte mir, dass sich die Plazenta auch lösen würde ohne dass die KLeine an meiner Brust dafür trinken müsste (ich hatte Angst sie würde die Plazenta durch frühzeitiges „herausziehen“ verletzten). So bat ich sie die Schere aus dem Schrank zu holen und durchtrennte die Nabelschnur. Meiner Freundin gab ich das Baby und ganz problemlos glitt die Placenta beim Aufrichten aus mir heraus.

Ich lief ins Schlaf/Wohnzimmer, legte ein großes Handtuch und eine Unterlage aufs Bett und zog mir was an. Dann ging ich nochmal auf Toilette um meinen Slip auszupolstern (Dank sei der Slipeinlagenindustrie) und legte mich mit Baby ins Bett 🙂

Die Hebamme fand keinerlei Verletzungen oder Schürfwunden, die Kleine wurde gemessen und gewogen: 52cm, 3440g, Kopfumfang 34,5cm  
Rundum wohlauf! Meine Mutter kam dann mit meinen Söhnen und meinem Bruder nur zwei Stunden nachdem sie weggefahren waren wieder her und begrüßten das kleine Wunder. Nun haben Oma und Enkelin am gleichen Tag Geburtstag 🙂



Möchtest du deinen Geburtsbericht auch veröffentlichen? Dann schreib mir hier!
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