Alleingeburt · Alleingeburt beim ersten (und zweiten) Kind - "Ich bin so stolz auf meinen Körper". · http://schemas.google.com/blogger/2008/kind#post

Geburtsbericht – Alleingeburt beim ersten (und zweiten) Kind – "Ich bin so stolz auf meinen Körper".

#positivegeburtskultur das ist meine neue Rubrik und sie wird reichlich gefüllt mit Geburtsberichten. Den Anfang macht wirzweivierplus mit gleich 2 Alleingeburten.


Wirzweivierplus lebt mit den Kindern Ihrer Freundin und Ihren eigenen zusammen. Wirzweivierplus:Die beiden großen, 11 und 13, sind sozusagen meine Bonuskinder, nicht aus meinem Bauch aber leben mit mir.“ Die beiden eigenen Kinder hat sie bewusst und allein zuhause geboren.  Sie sagt: „Aus den schlechten Erfahrungen meiner Freundin und aus den schlechten Erfahrungen, die ich mit der Fehlgeburt machte, habe ich genug Schlussfolgerungen ziehen können, um mich direkt an Alleingeburten zu wagen.“

Mein erstes Kind und meine erste Alleingeburt  
„Ich bin so stolz auf meinen Körper“

Nach über 20 Übungszyklen war ich zum ersten Mal schwanger und verlor leider mein Baby in der 8. Schwangerschaftswoche. Ich war so enttäuscht und fertig, denn der Weg zum Wunschkind war ohne Mann steinig genug. Als ich also im Dezember 2011 mein Baby verlor, wollte ich zunächst gar nicht weiter versuchen. Meine Freundin Lil aber machte mir Mut – sie meinte, mein Körper sei nun auf „schwanger eingestellt“ und wir müssten einfach weiter versuchen. Sie versprach mir, zum nächsten Weihnachtsfest würden wir zu fünft sein. Tatsächlich wurde ich 4 Zyklen, bzw. 2 Versuche später wieder schwanger und ihr Versprechen schien tatsächlich einhaltbar. Die Freude hielt sich zu Beginn dennoch in Grenzen, denn die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt war groß. Zwei Blutspuren zu Beginn der Schwangerschaft machten es mir auch nicht gerade leicht, diesmal positiv zu denken. Erst als ich zum ersten Mal die Schmetterlinge im Bauch spürte, bei denen ich wusste, dass sich das kleine Wunder in mir bewegte, konnte ich mich endlich richtig freuen – sooo schön.

In dieser Schwangerschaft ließ ich mein Baby einfach in Ruhe wachsen und nahm nur den Ultraschall zur Schwangerschaftsmitte wahr. Diese eine Untersuchung fand ich wichtig, um die Lage der Plazenta zu kennen und um die Grundlage für eine Alleingeburt zu schaffen.

Drei Tage vorm Nikolaustag war es dann so weit. Am Mittag stellte ich beim Toilettengang fest, dass sich die Farbe meines Ausflusses etwas verändert hatte – noch kein Blut, aber leicht ockerfarben – und so wartete ich darauf, dass vielleicht das Zeichnen begann… Und tatsächlich – um 17 Uhr war es so weit – eine Blutspur kündigte die bevorstehende Geburt an. Ich lief ins Wohnzimmer und grinste Lil an, die sofort verstand, was Sache war und zurückgrinste.

Seit Wochen war alles für unsere Hausgeburt vorbereitet. Sofa und Bett waren mit Latexlaken geschützt, ein Korb mit Handtüchern, Bettlaken, Waschlappen, Küchenrolle, Sschere, Schüssel mit Deckel für die Plazenta etc. standen bereit und unser Kühl- und Vorratsschrank quollen aus allen Nähten. So hatten wir also nicht wirklich viel zu erledigen, als sich in meinem Bauch so langsam unregelmäßige Wehen einschlichen. Wir befüllten nur unsere Thermosflaschen mit Kaffee und Tee und gingen dem normalen Abendprogramm nach. Die beiden Kinder meiner Freundin wollten wir zunächst ahnungslos lassen, da wir Hibbelei und Aufregung vermeiden und sichergehen wollten, dass die beiden spätestens um 20 Uhr seelig in ihren Bettchen einschlafen würden. Direkt nach der Geburt würden wir die beiden wecken – das hatten wir versprochen. Als die Kinder ins Bett gingen, baten wir sie, zum Gute-Nacht-Bauch-Spruch vielleicht noch einen Hexenspruch ala Bibi Blocksberg hinzuzufügen, damit sich die Kleine mal so langsam auf den Weg macht, schließlich waren wir schon ein paar Tage über ET und alle ungeduldig. Wir dachten, so würden die beiden vielleicht das Gefühl haben, sie hätten auch etwas zur Geburt beigetragen ;o). Dabei musste ich schon die ersten Wehen veratmen und versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Ich glaube, die Große ahnte etwas – aber sie sagte nichts.

Als die Kinder in ihren Bettchen lagen, legten wir eine DVD von Dr. Quinn – Ärztin aus Leidenschaft ein. Geplant war, bei Kerzenschein in unserem Wohnzimmer, die Doppelfolge mit Michaelas Alleingeburt im Wald anzusehen, um uns dabei völlig auf die Geburt einzustellen, aber irgendwie ahnte ich, dass ich wohl nicht mehr sonderlich viel davon mitbekommen würde… Die Wehen kamen, kaum mit der DVD angefangen, im regelmäßigen Abstand von 3 Minuten und ich veratmete diese, gestützt auf ein großes Kissen, im 4-Füßler-Stand. Währenddessen drückte Lil immer wieder auf Stop. Ich war die Ruhe in Person und amüsierte mich über unser DVD schauen im Stop-Takt ;o). Ich fühlte mich so wahnsinnig geborgen in unserem Heim und in der Obhut meiner Vertrauten. Sie versorgte mich liebevoll mit Tee in den Wehenpausen und gab mir ein ungemein sicheres Gefühl. Die Wehen machte sie mir mit Massagen meines unteren Rückens und liebevollen Worten so angenehm wie möglich. Sie sagte mir, dass ich wunderschön aussehen würde, unter der Natürlichkeit der Geburt und so musste ich mich halb Zehn zum ersten mal übergeben ;o) und wusste, ohne jegliche nervige Muttermund-Abtast-Untersuchung, dass damit mein Muttermund eröffnet war.

Um das Wohnzimmer nur mit Fruchtwasser, nicht aber anderen Flüssigkeiten unter Wasser zu setzen, wollte ich nun noch einmal auf die Toilette, um meine Blase zu entleeren. Sowohl vor, als auch nach dem Pipi musste ich je eine ziemlich heftige Wehe, haltend und hockend an der Waschmaschine, veratmen. Die Abstände zwischen den Wehen waren nun also nicht mehr wirklich messbar. Wieder im Wohnzimmer angekommen, wollte ich nicht mehr sitzen, liegen und hocken, sondern zunächst stehen. Ich hielt mich an der Rückenlehne des Sofas mit beiden Händen fest und bekam das erste Mal das Bedürfnis, leicht nach unten mitzuschieben. Ich stellte fest, dass ein leichtes freiwilliges Mitschieben die Wehen um einiges angenehmer machte. Beim zweiten Schieben platzte dann, es war übrigens drei Minuten nach halb Elf, die Fruchtblase und eine ganze Menge Fruchtwasser ronn mir die Beine herunter. In diesem Moment musste ich mich zum zweiten Mal übergeben. Meine Freundin versorgte mich also wieder mit einer Schüssel, etwas zum Mund ausspülen und war außerdem eifrig dabei, mit den vorbereiteten Handtüchern das Laminat zu retten, strahlte aber selbst dabei eine ungemeine Ruhe und Sicherheit auf mich aus. Sie sagte mir, dass es nun sicherlich in ca. einer Stunde geschafft sei.

Nach dem Platzen der Fruchtblase nahm die Intensivität der Wehen deutlich zu. Nun fiel es mir langsam schwer, eine Position zu finden, die ich als angenehm empfand. Ich wechselte zwischen hocken, stehen und knien und versuchte sogar, zu sitzen, was aber nicht mehr gelang, weil das Köpfchen schon zu tief stand. Zu guter Letzt hockte ich, festgekrallt an die Rückenlehne des Sofas, auf dem Fußboden. Ich fand das harte und recht kühle Laminat angenehmer als das weiche, nachgiebige, liebevoll vorbereitete Sofa. Auch meinen Plan, in die Wanne zu gehen, um wenig Sauerei zu haben, fand ich zu keinem Zeitpunkt verlockend. Hatten wir doch wochenlang Bett und Sofa mit Latexlaken geschützt… war nun also der kalte Fußboden der Ort meiner Wahl ;o). Aber all das war mir in diesem Moment so ziemlich gleichgültig. Die Phase des freiwilligen Mitschiebens war in diesem Moment vorbei. Nun durchzuckten unkontrollierbare Presswehen meinen Körper. Es war Pressdrang, den man nicht mehr beeinflussen konnte und ich war so dankbar, nun nicht in irgendeinem Krankenhaus zu sein, umgeben von fremden Menschen, die mich mit einem „Jetzt nicht Pressen!“ oder Sonstigem aus dem Konzept bringen würden. In der Natürlichkeit der Geburt, ohne Einlauf, um den ich im Krankenhaus sicherlich auch nicht gekommen wäre, begann für meine Geburtshelferin nun sicherlich der unangenehmere Teil der Geburt. Ich danke ihr an dieser Stelle!

Nach einigen dieser heftigen Presswehen, mit denen ich immer noch viel Fruchtwasser verlor, war ich auf einmal wahnsinnig erschöpft und konnte mich nicht mehr auf den Beinen halten. Ich beschloss, auf meinen Körper zu hören und mich einige Momente auszuruhen. So lag ich auf dem kühlen Laminat, auf meiner linken Seite und veratmete einige Wehen. Da ich nun aber nicht mehr mitschob, nahm der Wehenschmerz wieder zu und so begann um 23.45 Uhr die Jetzt-Mag-Ich-Nicht-Mehr-Wann-
Ist-Es-Vorbei-Aua-Phase. Bis dahin hatte ich die Geburt als wirklich angenehm und aushaltbar empfunden, aber jetzt begann ich doch mit dem Jammern. Dreimal durchzuckte dann dieses Press-Schüttel-Gefühl im Liegen meinen Körper und ich bekundete meiner Freundin, dass ich nun nicht mehr mag und nicht mehr will und das nun alles mal aufhören soll. ;o) Meine Freundin sprach mir Mut zu und sagte mir, wie stolz sie auf mich ist und wie toll ich das bislang alles gemacht habe. Draußen fielen in diesem Moment zum ersten Mal in diesem Winter dicke Schneeflocken und uns schien, als würden sich die Straßen, Bäume und Häuser noch einmal aufhübschen und alles Grau verschwinden lassen, um den neuen Erdenbürger würdig begrüßen zu können. So begab ich mich von der Seitenlage in den 4-Füßler-Stand, um mein Baby nun endlich auf die Welt bringen zu können. Ich konzentrierte mich auf meinen Körper, mein Atmen und lauschte in meinen Bauch hinein. Ich merkte, wie sich die Kleine ein paar Zentimeter über meinem Bauchnabel mit ihren Füßchen abstemmte und sich dabei ein ganzes Stück nach unten schob. Ich rief ihr zu, dass sie das ganz toll macht und dass sie mir weiterhin so fein helfen soll. In diesem Moment eröffnete mir meine Freundin, dass sie ganz viele goldbraune Haare sieht und wir freuten uns wahnsinnig. Mit den Worten meiner Freundin „Schieb dein Baby raus!“ wurde die allerletzte Presswehe eingeläutet. Um 00.18 Uhr erblickte mein wunderschönes Mädchen, während sie sanft in die Hände meiner Freundin glitt, das Kerzenlicht in unserem Wohnzimmer.

Ganz von alleine spuckte die kleine Maus etwas Fruchtwasser aus. Meine Freundin unterstützte sie mit einem leichten Klopfer auf ihren Rücken. Ihre Haut war zunächst leicht gräulich-bläulich, aber diese Farbe ist ja für die ersten Momente völlig normal und nach wenigen Quieckern färbte sie sich ins gewünschte Rosarot.

Dann übergab meine Freundin mir MEIN Baby. Voller Käseschmiere und nass wie die Kleine war, gab sie auf meinem Arm ihre ersten Laute von sich.

Genau in diesem Moment öffnete sich die Wohnzimmertür und die beiden Großen kamen in Schlafanzügen vorsichtig herein. Ganz stolz, als die Großen, begrüßten sie meine kleine Maus und halfen dann ihrer Mami beim Aufwischen des Fruchtwassers und Wegräumen der vielen nassen Handtücher und Bettlaken, die kurzerhand, in Eimern, auf unserem Balkon, zunächst schockgefrostet wurden. Ich wurde mit meinem Wunder im Arm liebevoll zugedeckt und konnte erstmal ein paar Momente genießen und verschnaufen. Nach ca. einer viertel Stunde zog ich mit meiner Maus aufs Sofa um. Dabei stellten wir fest, dass die Nabelschnur nicht besonders lang war und uns am Kuscheln und bequemen Liegen auf Dauer doch hinderte. Wir entschieden, da sie ohnehin bereits auspulsiert war, sie nun zu durchtrennen. Meine Freundin legte ca. 2-3 cm entfernt vom Bauch den Kabelbinder an (das Abbinden an der Seite der Plazenta sparten wir uns) und schnitt dann die Nabelschnur mit der Geflügelschere durch.

Der Positionswechsel aufs Sofa sorgte dann auch für die problemlose Geburt der Plazenta, womit dann die letzte Anspannung von mir abfiel.
Die beiden Kinder meiner Freundin übernahmen dann mit ihrer Mama das Vermessen, Wiegen, erste Windeln und Anziehen, während ich glücklich und still beobachtete.

Der Große notierte: 49 cm, 3650 Gramm, 35 cm KU
Bevor ich es mir auf dem Sofa dann so richtig gemütlich machte, wagte ich den Weg in die Dusche. Mir wurde zwar kurzzeitig schwindelig und ich musste mich in die Dusche setzen, aber es war ein super Gefühl, sauber zu sein. Außerdem wollte ich noch wissen, ob ich soweit heil geblieben war, da es sich beim Austreten des Kopfes angefühlt hatte, als sei ich gerissen. Die Überprüfung ergab: Komplett heil geblieben. Nicht mal eine Schürfung. Das stechende, brennende Gefühl beim Ausscheiden des Kopfes also völlig normal. Meine Freundin sagte mir später übrigens, dass mit dem Kopf gleichzeitig ihre rechte Schulter geboren wurde, sie aber in dem Moment nichts sagen und mich nicht rausbringen wollte.
Zurück auf dem Sofa, legte ich die Kleine zum ersten Mal an. Ihr Saugreflex funktionierte gleich prima. (Der richtige Milcheinschuss war am Freitag, also am 3.Lebenstag der kleinen Maus. Seit dem darf ich voll stillen und die Kleine wächst prima. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag, kurz vor dem richtigen Milcheinschuss, hatte ich beim Stillversuch einen richtigen Schüttelfrost am ganzen Körper mit Unterleibskrämpfen. Am Freitag selbst regten die drüsenstimmulierenden Hormone nicht nur meine Brustdrüsen, sondern auch meine Tränendrüsen an. Ich war, ohne traurig zu sein, den ganzen Tag am Weinen. Seltsam aber scheinbar normal.)
Ich bin so stolz auf meinen Körper, auf die Natürlichkeit, meine Instinkte und so glücklich, dass mein Mädchen einen so tollen Start ins Leben hatte, ohne Hektik, grelles Krankenhauslicht und fremde Gerüche. Es war einfach toll, die ersten Tage dauerhaft mit ihr zusammensein zu können, nicht in getrennten Krankenhauszimmern.
Alleingeburt Nr 2
„Zieh es raus, zieh es raus, sonst verbrenne ich“

Nach 30 monatiger Dauerschwangerschaft- nein, ich bin keine Elefantenkuh, es waren lediglich 3 rasche Folgeschwangerschaften-, hatte ich absolut genug davon schwanger zu sein. Ich wollte endlich meinen Körper wieder für mich haben. Ich wollte sitzen ohne Hämorrhoiden, Tiramisu in Unmengen essen, auf dem Bauch schlafen, gegen Türklinken rennen und andere Tollpatschigkeiten – ohne schlechtes Gewissen und vor allem wollte ich meine Neugierde nach dem oder den Bauchbewohner/n endlich gestillt wissen. Zur Strafe stänkerte mich mein Körper 20 Tage lang mit vielen Vorwehen und Fehlalarmen, bis es dann bei ET+2 endlich so weit war…

Durch die vielen fehlinterpretierten Vorwehen der letzten Tage nahm ich die Zeichenblutung am Morgen nicht wirklich ernst und war genervt von den unregelmäßigen Wehen, die sich über den Tag erstreckten. Wir versuchten dennoch den Spagat zwischen Kräfte schonen und Wohnung auf dem Punkt halten und haben, während Puppenmausis Mittagsschlaf einen Baby-Komm-Endlich-Raus-Hier-Duftet-Es-Gut-Kuchen gebacken. Der seit langem schönste und leckerste Kuchen mit Apfelmus-Vanillepudding und Mandarinen… Blieb zu diesem Zeitpunkt aber unangeschnitten. Wir entschieden nämlich, ihn erst nach der Geburt zu essen – nach dem Motto: Mal sehen, ob du diesen schönen Geburtstagskuchen wirklich erst Moos ansetzen lässt, oder lieber ein braves Baby bist und schlüpfst ;o).

Am Abend, gegen Acht, rieb ich mir aus lauter Schwangerschaftsfrust ein riesen Stück Ingwer, ungefähr doppelt so dick und lang wie mein Daumen und mischte dies mit Zitrone und Zucker. Mein Hals brannte höllisch, als ich einen Löffel nach dem anderen binnen Sekunden in meinen Schlund schob aber der Schmerz war angenehmer als der Druck meiner Hämorrhoiden und mein Ich-mag-nicht-mehr-schwanger-sein-Blues. Als dann eine Stunde später auch die beiden großen Mäuse in ihren Betten lagen, begannen – bei ungestörtem Neokortex – punkt 21 Uhr stärkere und häufigere Wehen und die Hoffnung, dass wir heute noch kuscheln dürfen, stieg. Nachdem wir, meine Geburtshelferin Lil und ich, bei der Puppenmaus´schen Alleingeburt eine DVD Doppelfolge geplant und nicht geschafft hatten, hatten wir uns diesmal nichts so Komplexes vorgenommen, sondern nur nebenbei eine Folge Schwarzwaldklinik bei YouTube reingeladen. Die wunderschöne Natur des Schwarzwaldes und die altbekannte Titelmusik taten mir gut. Sobald ich aber lange saß und entspannt schaute, wurden die Wehen weniger und schwächer. Da ich doch aber endlich mein Ü-Ei im Arm halten wollte, tigerte ich durch die Wohnung. Zur einen Seite in die Küche rein, durch die andere Tür wieder raus, durchs Wohnzimmer einen Bogen zurück und wieder durch die Küche. Dabei affte ich herum… Seitwärtsschritte, Kaffeebohnen und tankte noch ein paar letzte Blicke im Vorbeigehen von meinen Babybauch im Küchenspiegel. Natürlich blieb Letzteres nicht unbemerkt und meine Lil schoss noch ein paar Erinnerungsfotos für uns. Als ich meine Wohnungswanderung fortsetzte, musste ich dann immer wieder von meiner Küchen-Wohnzimmer-Route abdriften und einen Abstecher ins Badezimmer machen.


Ich war froh, dass sich mein Darm diesmal vorab entleerte, da ich Lil die Sauerei später ja gern ersparen wollte. ;o) Auf dem Klo hatte ich einige heftige Wehen und totalen Schüttelfrost. Unter Zähneklappern klang mein tiefes Ein- und Ausatmen wohl schmerzhafter und übergangsphasiger, als es tatsächlich war, sodass sie nach mir schauen kam. Zusammen entschieden wir, dass ich mich noch mal duschen gehe und sie half mir in und aus der Wanne.
 
Zurück im Wohnzimmer folgten weitere Wehen, die ich dann schon recht schmerzhaft fand. Die Wehenpausen waren zu kurz geworden und immer häufiger hockte ich vor dem Sofa, zitterte und fröstelte. In den kurzen Pausen legte ich mich immer wieder aufs Sofa, auf meine linke Seite und flüchtete in den Schwarzwald – nicht aber in die (Schwarzwald)klinik ;-P. Dreiviertel Elf wachte dann die Puppenmaus auf und wunderte sich, dass ihre Mami nicht, wie gewohnt, längst neben ihr im Zeltbett lag. Ich blieb auf meiner linken Seite liegen und bekämpfte den Schüttelfrost, während Lil, zu ihr ging, ihr eine frische Windel und etwas zu trinken gab und einige Momente mit ihr kuschelte. Ich hob meinen Kopf, um zu lauschen, ob die Puppenmaus nach mir verlangte oder schon fast wieder schlief, als es in meinem Bauch ein Plopp gab und etwas Fruchtwasser auf das unter mir liegende Handtuch lief. – Ha, wir waren guuuut vorbereitet, diesmal hatten sich die Latexlaken auf Bett und Sofa also gelohnt! ;o) Ich rief “Die Fruchtblase ist geplatzt. Schau bitte auf die Uhr!”. Lil erklärte der Puppenmaus, dass sie jetzt zu mir zurück muss, ”weil Mami jetzt unser neues Baby bekommt” und ob es an der Müdigkeit lag oder sie es verstand – legte sie sich schlagartig zurück, schloss ihre Augen und schlief wieder ein.

Die Fruchtblase war also 22.50Uhr geplatzt und nun rätselten wir, ob unser Baby noch vor oder nach Mitternacht das Wohnzimmerlicht erblicken würde. Nach Mitternacht hätten Lils Papa und dessen Zwillingsbruder Geburtstag. Das Datum wäre also irgendwie mystisch gewesen, da wir ja die ganze Zeit nicht sicher waren, ob sich wirklich nur ein Baby in meiner Einraumwohnung befand.

Lil wollte nun die Schwarzwaldklinikmitarbeiter in den Feierabend schicken und das Netbook ausmachen – ich bekam sowieso nichts mehr davon mit, da die Wehenstärke nach dem Platzen der Fruchtblase deutlich gestiegen war- aber ich konnte nicht mehr allein sein. Ich bettelte und flehte sie an, ja nicht von meiner Seite zu weichen. Dabei war das Netbook wirklich nicht weit weg aber immer wenn sie versuchte, den Knopf zu erreichen, schrie ich sie an “Bleib bei mir! Bleib bei mir! Geh ja nicht weg!”

Ich erinnerte mich daran, dass bei der Geburt der Puppenmaus ein leichtes freiwilliges Mitschieben die Schmerzen erträglicher machte und versuchte, meine guten Erfahrungen zu nutzen. Irgendwie fiel es mir aber schwer, loszulassen… Ich wollte einen Eimer aus dem Badezimmer, auf den ich mich hocken und somit besser loslassen konnte und bat Lil, mir einen zu bringen. Sie grinste und antworte mir, dass sie dazu aber von mir weg gehen müsste und zwar viiiiel weiter, als nur bis zum Netbook. Ich lies sie gehen… jammerte inzwischen schrecklich vor Einsamkeit. Aber es lohnte sich. Immer, wenn die Wehe zu schmerzhaft wurde, setzte ich mich nun auf den Eimer und schob kräftig nach unten mit. Das klappte super, denn endlich konnte ich auch Pippi machen ohne mir meinen Kopf über die Sauerei zu zerbrechen. ;o) Und dann ging alles ganz schnell, plötzlich die erste Presswehe. Eimer schnell beiseite. Ich hockte, wie bei der Puppenmaus, auf dem Fußboden, mein Oberkörper gestützt auf unser Sofa, krallte mich in den Knäuel von übergroßer Biberdecke und biss hinein… Meine Beine streckten sich plötzlich und ich ging aus der Hocke, während des Pressens, instinktiv in den Stand über. Der Kopf rutschte bis zur Nase heraus und fluppte anschließend zurück. Die nächste Presswehe direkt hinterher. Ich gab alles. Der Kopf kam nun komplett. Ich schrie, jammerte, quiekte und quietschte ganz Berlin zusammen, immer noch festgekrallt an meine Biberdecke, sie mir geräuschdämmend vor den Mund pressend (als ob das irgendwas bringt). Es brannte höllisch und ich hörte nicht mehr auf „Zieh es raus! Zieh es raus! Zieh es raus!“ zu rufen bis mein Engel Lil zugriff und, da ich ja immer noch stand, von Kopf bis Fuß mit Käseschmiere, Fruchtwasser und Blut getränkt, unser Baby auffing. Sie ist ja nur 146cm klein und so regnete es ein Baby mit Käseschmiere, Fruchtwasser und Blut für sie vom Himmel. (Dieser Moment aus Lils Sicht: Ich hocke hinter ihr und kann absolut nichts sehen. Es ist viel zu dunkel unterm Esstisch. “Warum muss sie ausgerechnet hier hocken? Da, wo die Puppenmaus geboren wurde, ist doch viiiel mehr Platz! Ich bin vielleicht klein – aber ich pass nicht unter den Esstisch.” Endlich komme ich auf die Idee, die Küchenlampe anzuknipsen und um die Ecke zu leuchten. Als ich wieder hinter ihr hocke, steht sie plötzlich auf. Völlig unerwartet. “Oh. Ah. Ich kann etwas sehen. Juhu. Bei der Puppenmaus war sie viel weiter eröffnet, als das Baby kam. Da war das ein richtiger Tunnel, in den man schauen konnte und dabei zusehen konnte, wie sich das Baby durchkämpfte. Das dauert sicher noch etwas. Oh, da ist der Kopf. Es dauert doch nicht mehr lange. Sieht nach einem Jungen aus. Weg ist er wieder. Zieh doch den Kopf nicht wieder rein! Menno.” Dann kam der Kopf im ganzen und “was soll ich????? Es rausziehen??? Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh! Überforderung! Hilfe! Aber lass es dir nicht anmerken! Kein Ton. Sag nicht, wie überfordert du dich gerade fühlst. Gott sei Dank ist ihr Kopf in der Biberdecke und sie sieht mein verdutztes Gesicht nicht. Wie machen die das immer in den Geburtsvideos? Unterm Kinn. Nein, so mag ich das nicht. Ich fass hinten am Nacken an. Flutsch, ich hab doch kaum gezogen, da ist es. Es ist wunderschön, es atmet und lebt. Blick zwischen die Beine. Ein Junge. Tatsächlich. Und er grinst. Er grinst mich an. Ich bin mir ganz sicher. Lacht er mich aus oder an? – Vielleicht wegen der Fruchtwasserdusche, die er mir gerade beschert hat. “Willkommen im Leben kleiner Mann!” begrüßte ich ihn und gab ihm einen Kussi auf seinen zauberhaften Mund.)

“Gib es her. Gib es her!” schrie ich. Völlige verbale Entgleisung. Man könnte auch “Darf ich es bitte haben” oder “Gib es mir bitte” sagen oder es sich einfach liebevoll nehmen,… aber diese Schmerzen bei KU 36cm, 51+cm und 4200gramm mögen es rechtfertigen. ;o) Lil nahm mir das auch nicht übel, sie lächelte nur und zeigte mir den Kopf. Ein fragendes “und, wie siehts aus?” und ich antwortete “Nach einem Jungen. Nicht nach einem Fritz, sondern nach einem *****. Nach einem schnöseligen *****-********” und sie nickte nur zustimmend. Sowohl für das Junge, als auch für die Namenswahl. Dann gab sie ihn mir und ich begrüßte meinen kleinen Mann. Begeistert lauschte ich seinem Atem, da er ja zu keiner Zeit weinte bzw. schrie und man da durchaus zweifeln könnte. Aber nein, er lebte und atmete ganz fein, er war einfach nur völlig relaxxt. Eben ein echter Sonntagsjunge. Dann fragte ich nach der Uhrzeit und wir fanden heraus, dass es nur ein Baby ist und dieses nicht zum Zwillingsgeburtstag geboren wurde. ;o) 42 Minuten nach dem Platzen der Fruchtblase war er also da – der kleinste der 4 Mäuse, der, seinen Maßen zufolge, mal der größte der vier Mäuse werden würde. Bestimmt sogar der größte von uns Wirzweisechsen…

Ein Sofort-nach-der-Geburt-Foto konnten wir dann leider nicht machen, denn Lil war ja voller Käseschmiere und Fruchtwasser und ich sah ohnehin aus, wie beim Schlachter gewesen. Blut ronn meine Beine herunter, der kleine Kaiser selbst war auch voller Blut und üüüüüüberall war dieses Fruchtwasser-Käseschmiere-Blut-Gematsch. Quer durch das ganze Wohnzimmer. Mit der Nabelschnur verbunden, lag ich dann mit ihm eine Weile auf dem Laminat, kuschelte ihn, zugedeckt mit Handtüchern. Lil entledigte sich ihrer klitschnassen Klamotten und lachte herzlich, während sie sich die Käseschmiere aus dem Gesicht und ihre Hände wusch und machte dann ein erstes Foto von uns.
Nach einer halben Stunde hatte ich keine Lust mehr auf die Plazenta zu warten, denn ich wollte mich wieder wohlfühlen, was mir mit dem Gematsch an den Beinen und durchs Kuscheln auch auf der Brust und dem Bauch nicht gelang. Überall klebte ich und alles war inzwischen eingetrocknet und eingebranzelt. Wir entschieden, die Nabelschnur zu durchtrennen, damit ich mich frei bewegen kann – entweder um die Plazenta zu gebären oder um mich eben wenigstens so erstmal sauber zu machen. Die Nabelschnur war bereits auspulsiert und abbinden sparten wir uns diesmal komplett, schnitten sie nur mit der selben Schere, wie bei der Puppenmaus, durch.


In verschiedenen Positionen drückte ich, aber die Plazenta wollte nicht kommen. Leichter Zug an der Nabelschnur – schien noch sehr fest. Also ging ich duschen. Es war toll, sauber zu sein und oh wunder, ich war auch nicht verletzt und das bei diesem Brummer. Einfach herrlich diese freie Geburtspositionswahl und die Entspannung zu Hause! Inzwischen wusch Lil auch den Kleinen. Eigentlich wollten wir ihn ja nicht sofort waschen, die Käseschmiere einziehen lassen, aber so verkrustet wie er nun war, hatten wir keine wirkliche Wahl. Nach dem Baden bekam er die selben Erstlingssachen an, wie die Puppenmaus (ha, der Vorteil, wenn man kein rosa kauft! Ich liiiiebe diese Vergleichsfotos ;o)) und wir sahen daran erstmal wie grooooß er im Vergleich zu ihr war.

So laut wie ich beim Austritt des Kopfes geschrien hatte, dachte ich eigentlich, dass die 3 Mäuse wach sein müssten… Pustekuchen. Die beiden Großen schliefen und die kleine Puppenmaus, nun auch große Schwester, ebenso. Lil weckte die beiden Großen zum Begrüßen. Die Puppenmaus wollten wir schlafen lassen, waren froh, dass sie so perfekt zur Geburt geschlafen hat. Am Gesicht ließen wir die beiden einzeln raten, welches Geschlecht unser Baby hat. Beide lagen richtig und unser bislang Hahn im Korb freute und freut sich ein Loch in den Bauch, dass er endlich männliche Verstärkung hat.

Inzwischen war es spät geworden und wir wollten ein paar Augenblicke schlafen. Leider war die Plazenta noch nicht da und so richtig abschalten konnte weder Lil noch ich, solange die noch in mir war. Also stand ich nochmal auf und versuchte die Plazenta rauszupressen. Nichts. Hm. Ich wollte mich gerade damit abfinden und eben doch so schlafen, musste nur noch mal Pippi… da rutschte sie, ganz ohne zu drücken, mit heraus. Puh, endlich. Danach konnten wir endlich ein paar Momente duseln,… bis dann die Puppenmaus aufwachte. Sie realisierte sofort was Sache war. IHR Bruder wurde an jeder Körperstelle abgeknutscht, die sie zu fassen bekam. Das war sooooo herzallerliebst und ist es auch immer noch. Selbst wenn ich auf dem Netbook nur ein Foto von ihm geöffnet habe, wird dann eben der Bildschirm abgeschlabbert. IHR Bruder. Mission nahe Geschwisterplanung – jmd. zum kuscheln, spielen, später gemeinsamer Schulweg etc., GELUNGEN.

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