Das Schöne wurde mir genommen - Gewalt in der Geburtshilfe TEIL I.

Das Schöne wurde mir genommen – Gewalt in der Geburtshilfe TEIL I. Wer sich an Sicherheiten klammern will, der geht mir Sicherheit in die Irre.

Ich weiß gar nicht, wie ich diesen Artikel anfangen soll, dabei ist er so wichtig. Ich bin nur eine von vielen. Dieser #rant ist nur einer von vielen. Diese Gedanken sind nur einige von vielen. Gewalt unter der Geburt der alltägliche Skandal, so der Buchtitel von Christina Mundlos. Geburt ist ein schmerzvoller Vorgang, ein Gewaltakt der Natur. Dem Ganzen wird eine Krone aufgesetzt, indem Frauen entmündigt und übergangen werden sobald sie Krankenhausboden betreten.

 

Ich bin nicht anonym, auch wenn ich hier keine Namen nenne. Ich bin kein Einzelfall.




 

VORWORT: M E I N E  E R S T E  G E B U R T

stand bevor, ich hatte bereits damals den Gedanken, dass ich auch zuhause bleiben kann, zumindest im Geburtshaus gebären kann. Ich war allerdings (noch) nicht mental stark genug um dies auch um bzw. durchzusetzen. Die Möglichkeiten waren auch damals schon vorhanden zum glück. Ich war selbst für die erste Schwangerschaft, ziemlich gelassen gegen Ende. Habe alles auf mich zukommen lassen, mir keine weiteren Gedanken gemacht, auch keinen Geburtsplan geschrieben. Das stellte sich im Nachhinein als großen Fehler heraus, zumindest empfand ich dies als großen Fehler. Auch den ganzen VorSORGEMarathon habe ich mir bieten lassen.





U N T E R  W E H E N 
I M  K R A N K E N H A U S wurde ich dann noch zur Unterschrift gebeten, damit man natürlich im Nachhinein auch niemanden anklagen kann. Ich musste mir noch Schriftkram durchlesen, wofür ich eigentlich überhaupt keinen Kopf mehr hatte. Ist das Vorsatz? 

Dieses Akademisches Lehrkrankenhaus, welches hier bewusst anonym bleibt, suchte ich mir aus. Sagen wir ich musste es wählen, weil es ganz einfach in der Nähe war. Von anderen Müttern las und hörte ich, dass man sich vorher das Krankenhaus anschaut und schon mal vorstellig wird. Gesagt getan, doch ich wurde abgewimmelt mit dem Satz ‚kommen sie mit allen Unterlagen, wenn sie Wehen haben, dann klären wir alles‘. Ups? Ich kam mir vor wie im falschen Film. Sollte es nicht besser sein, solche Dinge mit klarem Verstand zu klären? Wie sich für mich im Nachhinein rausgestellt hat, ja! Warum das in diesem Krankenhaus so gehandhabt wird, kann ich nur vermuten. Zeitmangel, Personalmangel, nur nötig bei Risikoschwangerschaften, wo dann bei diesem Termin Kaiserschnitt geplant wird. Alle anderen benötigen kein Vorstellungsgespräch, oder nur mit Überweisung von einem Gynäkologen

I S T  D A S  E I N  A B R E C H N U N G S P R O B L E M? Bin ICH eins? Will man mit mir nur Kasse machen? Siehe: “Ihr Kind ist ein Abrechnungsproblem” Was ist das für ein Umgang mit schwangeren? Man kann sich also nur einen ersten Einblick vom Gebärort verschaffen, mit Indikation und Risikoschwangerschaft. Ja, das ist der Sinn eines Krankenhauses. Dort kommen KRANKE hin oder? Ich habe gedacht: Eindeutiger kann es ja nicht mehr sein, dass ich als risikolose Schwangere & Gebärende dort nicht ganz richtig sein kann.


S C H W A N G E R S C H A F T   I S T   K E I N E  K R A N K H E I T, dieser Satz wurde mir erst in der zweiten Schwangerschaft so richtig bewusst, denn eigentlich war ich ganz gut gefangen in dieser Besorgnisspirale, sodass ich wie viele andere auch dachte, das sei ganz normal und gut so. Sicher ist sicher, wer weiß was passiert, dort sind Menschen vom Fach. Dort fühle ich mich ’sicher‘. Eine andere Darstellung dazu. Eine Hausgeburt ist sicher, weil für Dein Baby 11 Vorteile mehr sind als 3 Nachteile.

FREMDBESTIMMUNG
ANGSTMACHE
D I E  G E B U R T 

hatte begonnen. 40+3 nach heutigem Stand knapp an der Einleitung vorbei. Das ließ mich auch mein Gynäkologe wissen. ‚Naja, wissen siedas Krankenhaus hier wartet nicht gerne ‚zu‘ lange, zwischen 40+ 7-12 wird definitiv eingeleitet. Super, dachte ich. Nicht mal auf natürlichen Beginn darf ich warten. Ich hatte inzwischen einiges gelesen und Erfahrungen gehört, von diesen erzwungenen (künstlichen) Wehen. Ich durfte dann selbst erfahren, wie diese unnatürlichen Wehen zur Komplikationen und zum Dominostein werden können. 

Z W E I F E L
E I N L E I T U N G
E N T K R Ä F T U N G
G  E W A L T S A M E  G E B U R T
Das Kind entschied allerdings, sich vor diesem Termin sich auf den Weg zu machen. Darüber war ich sehr froh. Nach 6-8 Stunden Kreißsaal war ich angespannt und entkräftet, schnappte schon nach Luft. Nachdem ich die ganze Wehenarbeit (fast) alleine war mit meinem Mann, weil die Beleghebamme zwischen 3 Kreißsälen hin und her laufen musste (“Und dafür bin ich Hebamme geworden?”), kam man auf die Idee mir einen Wehentropf (Oxytocintropf) zu verabreichen. T a d a, da hatte ich nun DOCH eine Einleitung bzw. Verstärkung der Wehen. Innerhalb von 10 Minuten 4-5 Wehen, da kann man schon mal aus der Puste kommen, oder? Die Wehen waren laut Team zu kurz und kraftlos. Ich denke, es lag an der Umgebung. Fremde Umgebung. Fremde Menschen. Verspannung. Angst. Unwohlsein. Scham. Hunger/Durst. Schmerz. Man unterschätzt diese Kleinigkeiten. Zur natürlichen Oxytocin Ausschüttung gehört eben eine Menge die stimmen muss. Genau wie viele Umstände im Körper stimmen müssen, um schwanger zu werden.



S C H L Ü S S E L M O M E N T E
G L Ü C K  I M  U N G L Ü C K?
Nur im Dämmerzustand voller Verzweiflung und Schmerz merkte ich, wie sehr mir eigentlich die Kanüle im Handgelenk schmerzte. Diese wurde auch nur schnell gesetzt, während man noch mal einen Ultraschall machte. Das war für mich ein Schlüsselmoment. Man hatte sich um über 1 kg Gewicht bei meinem Kind verschätzt. Das stellte sich nach der Geburt heraus und ich hörte nur den Satz ‚wenn wir gewusst hätten, dass das Kind 4,2 Kg wiegt. Ja, dann….‘ Ja dann? Was denn dann? Dann hätte man wohl lieber gleich einen Kaiserschnitt gemacht? Nach dieser Geburt, wäre das wohl durchaus stressfreier gewesen. So kann man sich auch die Kaiserschnitt raten erklären. Stressfrei, schmerzfrei und kurz. So soll die Moderne Geburt aussehen. Stress und schmerzfrei ist durchaus möglich, aber dazu muss es nicht einen Kaiserschnitt sein.

R A N D N O T I Z
W Ä H R E N D  D E R  G E B U R T 
E N T W Ü R D I G U N G
G E W A L T

Zwischendurch hörte ich die Hebamme telefonieren ‚wie lange denn der Kreißsaal noch belegt wäre‘. Das macht Druck und lies mich auch unbewusst in Zugzwang, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Stress verfallen. Ich habe mich irgendwann einfach aufgegeben. Ich habe alle Anweisungen befolgt, die mir gegeben wurden. Gewaltsam mit schieben in Rückenlage! (obwohl längst bekannt ist, dass dies eine die Geburt behindernde Position ist) Sauerstoffgeräte in der Nase, bis ich nicht mehr konnte. Verzweifelte versuche des Kristellerns von gleich zwei Hebammen. Dann stürmt ein Ärzteteam rein. Zack zack, das muss jetzt schnell gehen. Kind gewaltsam aus Beckenmitte geboren mit Schnitt bis zu den Ohren. Der letzte Rest (Plazenta) wird auch noch mit Zeitdruck rausgepresst. So zumindest das Gefühl. 


Ich dachte: Das Fachpersonal wird schon wissen, was jetzt richtig war. Ich habe diese ‚Hilfe‘ auch in dem MOMENT als erlösend empfunden. Aber es muss/sollte doch gar nicht erst dazu kommen. Da spricht mein Geburts-ich mit dem jetzigen ich. Ich habe mich in dem Moment, wie eine komplett unfähige Frau gefühlt. Mir mussten so viele Menschen helfen, weil ich es aus eigener Kraft nicht geschafft hatte. Es war einfach nur entwürdigend. Trotz der Glückshormone die mich irgendwie aus dieser schrecklichen Situation gerettet haben, wurde ich dieses Gefühl nicht los, denn es sollte auch damit auch nicht genug sein.


B O N D I N G  U N D  S T I L L E N
S A U G V E R W I R R U N G
T R E N N U N G
K E I N E  R U H E
 

Wie Gewalterfahrungen unter der Geburt sich auf Bonding und Stillen auswirken, habe ich erst einige Wochen nach der Geburt realisiert. Das Kind wurde mir tatsächlich, direkt nach der Geburt (kurz) auf den Bauch gelegt. Ich hatte extra ein rotes Handtuch mitgenommen (Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass Neugeborene, die direkt nach der Geburt in ein rotes Tuch gewickelt werden viel ruhiger sind und eine ruhigere, regelmäßigere Atmung haben als Babys, die in weiße Tücher gewickelt werden. Begründung: Durch die rote Farbe würden die Zwerge noch ein Stück mehr als durch das Wickeln allein an die Gebärmutter erinnert.) Welches mir in der ‚hektik‘ nicht mehr zur Verfügung stand.

Auch das direkte Anlegen wurde gefördert, dies alles ging aber von der Hebamme aus, nicht vom Krankenhausteam. Dann folgte die übliche Routine: Ab auf die Wochenstation. Ich fühlte mich tatsächlich wie ein kranker. Ständig wurde man zurechtgewiesen, an den Brüsten gefummelt, als sei ich nicht in der Lage zum Stillen. Ich sollte Stillprotokoll führen, wie lange (an der welcher Brust) und wie oft ich stille. Das ganze hatte nur eins zur Folge: Ich war verunsichert, gerade höchst sensibel und habe leider vertraut auf die Tipps. Es polterte alle 2 Stunden jemand in mein Zimmer, dabei wollte ich nur unbedingt schlafen (nach diesem Wehenmarathon von 8 Stunden). Ich hatte so großen Hunger, aber die Küche war schon längst geschlossen, auch kein Laden hatte mehr auf. Mir blieb nur ein Rest den irgendjemand nicht gegessen hatte. 

Auf die Fragen der Nachtwache, ob es mir gut ginge und ob das Kind genug stillt, antwortete ich nur. Ja, ja, ja. Und dachte: Lasst mich doch bitte in Ruhe. Nein, denn dann wurde das Kind nachts um 2 Uhr abgeholt zum Blut abnehmen (???) und wurde mir schreiend wieder gebracht. Bondingfördernd ist das nicht, behaupte ich mal. Gleich nach der Geburt so traumatische Erfahrungen. Spritzen? Fremde Menschen? Grelles Licht? Da blutet mir das Herz. Zum Glück sind Sie dann schnell wieder mit einer Versöhnungsbrust zu beruhigen.

In der zweiten Nacht wurde mir direkt eine Milchflasche (und Stillhüte) hingestellt. Ich dachte nur: Das Kind ist voll ausgetragen, ist bei 40+3 geboren, hat 4,2kg entgegen zusetzen und die tun hier so, als sei der Magen so riesig wie ein Elefant und das Kind würde hier gleich verdursten. Mal davon abgesehen, dass auch bei mir die Pumpmenge (wurde nach 48 Stunden bereits angeboten) relativ gering war (Pumpmenge sagt nichts über die tatsächliche Menge in der Brust aus). Dabei müsste das Personal doch wissen, dass der Milcheinschuss erst später erfolgt. Das Stillhüte gerade nicht förderlich sind und Sie wirklich nur in Ausnahme zu benutzen sind. Das Kind hatte eine Trinkfaulheit, wegen hohen Billirubinwerten, hätte es aber durchaus lernen können. Nein es wurde nach 2 Tagen direkt verwirrt. Hut, Brust, Flasche? Ja, was denn nun? So muss ein Säugling wohl denken und schnappt sich das was am einfachsten ist -> Die Flasche. Das alles wurde mir erst viele Monate später bewusst, da hatte ich schon ein Flaschenkind obwohl ich unbedingt stillen wollte.

Ich voller Zweifel, dass ich mein Kind nicht ernähren kann, habe diesen ganzen Teufelskreis zuhause fortgesetzt. Besorgte mir eine Pumpe (+Stillhüte) und hielt das Ganze unsagbare 8 Wochen durch. Was ein Stress, ich dachte ständig daran, ob ich denn genug Flaschen auf Vorrat im Kühlschrank habe, BEVOR das Kind wieder hunger hat. Eines Nachts war es nicht mehr so, ich begann das Zufüttern und blieb schließlich darauf hängen. Ich habe die Relaktation aus psychische Gründen nicht mehr geschafft. Ich habe mich den Umständen gefügt, und hadere (ein bisschen) bis heute damit. Im Großen und Ganzen habe Ich damit meinen Frieden geschlossen, daraus gelernt und Konsequenzen gezogen.

Mit Erfolg. Ich habe nicht nur das anders gemacht, ich blieb zur zweiten Geburt gleich ganz zu Hause. Das Ganze sollte nicht noch einmal passieren.
Ich hätte auch, GERADE WEGEN diesen ganzen Schwierigkeiten und Komplikationen weiterhin in der Angstspirale bleiben können, gerade DESWEGEN wieder ein Krankenhaus wählen. Ehrlich gesagt hat das Ganze etwas mit mir gemacht. Ich bin ein hinterfragender reflektierender Mensch. Das konnte ich so nicht einfach stehen lassen, ich hab das nicht als normal hingenommen. Das ist nicht normal! Da wird in natürliche Prozesse eingegriffen (die man wahrscheinlich nicht einmal selbst versteht) und die haben Folgen, es ist ganz klar, dass man diese dann kurz und schmerzlos beenden muss. Muss es erst dazu kommen? Ist das nicht hinterfragenswürdig

E N D E G U T A L L E S G U T  ?
S C H L U S S M I T D E R A N G S T
Ich habe mich entschlossen: Keine ANGST und ZWEIFEL mehr zu haben. Die zweite Schwangerschaft auf mich zukommen zu lassen. Mit ALLEN Dingen die dazugehören. Wehwehchen, trotzdem zwischenzeitlichen kleinen Ängsten – die ich selbst in den Griff bekomme und nicht von Außenstehenden verstärken lasse. Das Herz freigemacht. Viel mehr auf mich selbst und mein Gefühl zu vertrauen. Wieder an die Kräfte einer Frau glauben, denn die Frau ist geboren – um zu gebären.
Die Scheinsicherheit ablegen, denn wer sich an Sicherheiten klammern will, der geht mir Sicherheit in die Irre.


Das Schöne an einer (meiner ersten) GEBURT wurde mir genommen, nicht die Zeit danach! Ich durfte das alles vergessen machen und wieder gut machen, mit einer traumhaften, selbstbestimmten Hausgeburt. Wäre diese nicht gewesen, würde ich wahrscheinlich bis heute glauben: Ich kann das nicht, ich bin selbst Schuld an diesen Umständen.

 


 Bild Sommer 2014 – Eine Menge aufzuholen und wieder gutzumachen. Ein kurzer unbeschwerter Moment. In alle der Post partum Depression. In all den Startschwierigkeiten und Anpassungsstörungen. In alle den Schreinächten und Tagen. In all der schweren Last die zu tragen war. Die man mit nach Hause bekommt und es gar nicht ahnt.


(…) Selbstbewusstsein heißt:mit innerer Sicherheit und Festigkeit das eigene Lied singen, den Mut haben hinzuschauen auf das, was sich in der Seele abspielt, das heißt, auch authentisch zu sein. Das ist kein Egoismus und keine Egozentrik, auch kein Ego-Trip. Ego-Trip ist Geltungsstreben, Kampf gegen andere, etwas Besseres sein, sich in den Mittelpunkt stellen die anderen erpressen oder unterdrücken wollen. Egoismus schielt auf den eigenen Vorteil, Egozentrik baut diesen Vorteil ausm zeigt tyrannische, unterdrückende Züge, strebt danach, sich wohlgefällig in Bewunderung zu sonnen. Selbstbewusstsein ist dagegen innere Sicherheit, die dann entsteht, wenn ich bewusst mein Selbst lebe, wenn sich die Wahrheit und Wahrhaftigkeit entfalten. Zitat: Peter Lauster 


Teil II der Geburtsreise(n) und das H A P P Y E N D folgt!

Wie ich fast wieder in die Fänge der Dienst nach Vorschrift Armee geraten wäre und wie ich negativ in positiv verwandelt habe, könnt mir dann im TEIL II lesen.


Weiterführende links:
„Das Schöne wurde mir genommen“ – wie Gewalterfahrungen unter der Geburt sich auf Bonding und Stillen auswirken

‚(…) und selbst wenn man etwas feststellt mit dem Ultraschall, man kann nur beobachten, man kann nichts ändern, man kann nichts von außen ändern, dass das Kind wächst wie es wächst. Der Ultraschall ändert überhaupt nichts daran wie es verläuft.‘ Videotagebuch Sarah S.

“Und dafür bin ich Hebamme geworden?”  

Rose Revolution Deutschland Die globale Bewegung gegen Gewalt in der Geburtshilfe – 25. November – Wir legen eine rosa Rose vor die Kreißsaaltür, hinter der uns Gewalt angetan wurde.
 

Literatur zum Thema:
Christina Mundlos – Gewalt unter der Geburt, der alltägliche Skandal

Advertisements

5 Kommentare zu „Das Schöne wurde mir genommen – Gewalt in der Geburtshilfe TEIL I. Wer sich an Sicherheiten klammern will, der geht mir Sicherheit in die Irre.

  1. Danke für diesen Artikel!
    Ich habe ähnliche Gebrtserfahrungen gemacht, obwohl ich dann zu einem Kaiserschnitt genötigt wurde. Ich wollte keinen Kaiserschnitt und ich bin mir sicher, dass es auch ohne gegangen wäre, weil meine Zwillinge beide mit dem Kopf nach unten lagen und es auch sonst keine Komplikationen gab.
    Aber das alles ging den Ärzten nicht schnell genug und weil ich Erstgebärende war(!?) haben die Ärzte entschieden, dass wir doch schnell mal einen Kaiserschnitt machen.
    Das fühlt sich für mich bis heute noch wie eine Art Vergewaltigung an und auch die Zeit danach mit ständigem an meinen Brustwarzen rumgefummle von mindestens 3 verschiedenen Schwestern, die ständig ins Zimmer kommen und einen nicht mal 2 Stunden am Stück schlafen lassen kenne ich zu gut.
    Auch bei mir wurde gesagt, dass die Milchmenge nicht reicht. Ich musste abpumpen, das Abgepumpte füttern und danach noch zufüttern und das bitte spätestens alle 2 Stunden bei jedem Kind, weil sonst würden sie ja verhungern. Also habe ich gefühlt gar nicht mehr geschlafen und wollte nur noch nach Hause.
    Zu Hause hat es sich dann langsam eingepegelt, aber ich hatte zu Beginn Probleme damit meine Kinder zu lieben.
    Es hört sich schlimm an, aber ich hätte sie in der ersten Zeit sofort zurückgegeben und die ganze Schwangerschaft rückgängig gemacht, weil es mir so schlecht ging und ich nichts für die Kinder empfinden konnte.

    Ich bin so froh, dass das vorbei ist und ich jetzt eine normale Beziehung zu meinen Kindern habe.
    Eigentlich hätte ich gerne noc mindestens ein Kind, aber die Erfahrungen der ersten Schwangerschaft machen mir Angst, dass es beim nächsten Mal auch wieder schlimm werden könnte.

    Es ist aber schön zu hören, dass bei dir beim zweiten Mal alles super gelaufen ist! Das macht mir ein bisschen Mut! 🙂

    Liebe Grüße

  2. Ein ganz toller Text, der zeigt, was alles Gewalt unter der Geburt sein kann!!! So wichtig, dass das du diesen Text geschrieben hast. Und auch welchen Schluss du gezogen hast: eben nicht weiter in die Angstspirale zu geraten, sondern dich davon zu befreien! Da sind wir uns solo ähnlich. Ich habe mich eben so wieder erkannt bei dem Text <3 Ich danke dir <3

    Du hast 2!!!! Texte von mir verlinkt! – ich bin ganz gerührt <3 Danke!!! Ich hoffe von ganzen Herzen, dass dieser Text ganz, ganz viel gelesen wird!!!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

  3. Ich lese deinen Blog immer wieder gern, auch wenn wir so unterschiedlich sind. Einfach, weil es so interessant ist, wie unterschiedlich es sein kann, was sich in Sachen Schwangerschaft und Geburt richtig anfühlt. Ich bin zum ersten Mal schwanger und werde aus verschiedenen persönlichen Gründen einen Kaiserschnitt haben. Weil mein Körper und meine Weiblichkeit und auch „natürliche“ Vorgänge das letzte sind, worauf ich mich verlassen möchte und kann. Dadurch, dass ich selbst Krankenschwester bin, habe ich nicht diese Angst und dieses Gefühl des Ausgeliefert seins, wenn ich ein Krankenhaus betrete, sondern habe zum Glück die Möglichkeit, jeden Fehler und jede „falsche“ Entscheidung des Personals sofort zu bemerken, anzusprechen und auf Augenhöhe zu klären. Dass dies nicht gern gesehen wird, ist eine andere Sache 😉 Und ich kann jede Frau verstehen, die sich diesen Institutionen entziehen will, es ist eine Schande, wie man man als Patient/Schwangere behandelt wird und es fängt schon bei Kleinigkeiten an, wie das Überreden zu Nahrungsergänzungsmitteln, wenn diese gar nicht nötig sind oder das Überprüfen irgendwelcher Werte, die dann kommentarlos in den Mutterpass gekritzelt werden…. Hätte ich nicht meine diversen psychischen Baustellen und wäre nicht mein Vertrauen, dass alles normal und gut verläuft für immer zerstört, wäre ich sicher auch Kandidatin für eine Hausgeburt 😀

  4. Hallo, ich bin eher zufällig hier gelandet (Link auf „Reges Leben“).
    Meine erste Geburt ist inzwischen über 9 Jahre her und ich hab sie bis heute nicht verarbeitet. Damals dachte ich, alle gehen ins KH zur Entbindung, das ist normal. Und richtig. War es nicht: Schichtwechsel, Vorschriften(raus aus der Wanne nach 2 Stunden, Einlauf, Zugang), Medis obwohl ich keine wollte, Geburt mit Dammschnitt und Zange, dadurch zu hoher Blutverlust, dass ich nicht nach Hause durfte… Kaum zu Hause die erste Brustentzündung, mehrere weitere folgten in den nächsten Monanten. Ich hab durchgehalten, weil ich unbedingt stillen wollte, weil Töchterchen zunahm und weil ich eine sehr gute Nachsorgehebamme hatte, die mich unterstützte. Allerdings war ich auch zu Hause gefangen in „Vorschriften“: Baby im eigenen Bett, daraus resultierend wenig Schlaf für mich.
    Es geht auch anders. Die Vorsorge in der zweiten Schwangerschaft (vor fast 6 Jahren) fand hauptsächlich bei Hebammen statt, die Geburt war selbstbestimmt und von Hebammen begleitet im Geburtshaus, zu Hause Familienbett. Beide Kinder habe ich jeweils 3 Jahre gestillt. Während Schlafen bei meiner Tochter sehr lange schwierig war, gab es bei Sohnemann nie Probleme.
    Ich wünsche mir für jede Frau die Möglichkeit, ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Der ist dann so individuell wie die Frau (und der kann durchaus auch der Wunschkaiserschnitt sein). Ärzte, Hebammen und sonstiges Umfeld sollten die Frau in ihren Wünschen respektieren und unterstützen und ihr das entsprechende Handwerkszeug für wichtige Entscheidungen geben, statt sie zu entmündigen.
    LG von TAC

  5. Hi, das klingt wirklich ziemlich erschreckend. Ich war auch der Typ „gelassen“-mein Körper weiß schon was er zu tun hat. Aber meinem Kleinen ging es dann an 40+0 nicht mehr gut und ich kam in ein großes Krankenhaus in Hamburg(13 Kreißsäale und 2 Hebammen), ABER dort war es sehr persönlich. Es wurden viele alternative und natürliche Sachen ausprobiert, um den Zwerg wieder fit zu bekommen. Als dann aber die Herztöne sehr kritisch wurden, wurde nach 18 Stunden Wehen eine Sectio gemacht und mein Kleiner zum Glück gesund rausgeholt. Jeder noch so kleine Schritt wurde mit mir abgesprochen und es richteten sich alle nach mir und dem Baby. Wir haben dann noch stundenlang im Kreißsaal gekuschelt und gestillt und auch auf der Station verlief alles nach Wunsch. Die Waage usw. wurde am ersten Tag noch ins Zimmer geholt, damit der Kleine immer bei mir bleibt(konnte wegen der OP nicht in den Pflegeraum gehen, ein Kaiserschnitt ist nämlich alles andere als schmerzfrei). Auch beim Stillen wurden wir nur bestärkt! Achso und das Handtuch habe gerade auf den Fotos entdeckt war dunkelrosa;-) Ich will damit nur sagen, dass es im Krankenhaus auch ganz anders laufen kann und im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Kreißsäale total überfüllt waren, aber das wurde so gut abgeschirmt von den Hebammen, dass ich es überhaupt nicht mit bekam. Sicherlich hat es auch etwas mit Glück zu tun, aber ich persönlich würde immer wieder ins Krankenhaus gehen, weil es sicherer ist. Mein Baby wäre ansonsten heute nicht mehr hier.
    Alles Liebe 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s