Die Alternative zu Lob und Tadel lautet Wertschätzung

Aufmerksamkeit als Anerkennung – Die Alternative zu Lob und Tadel lautet Wertschätzung.

 

 POSITIV UND NEGATIV

Urnaturaen: Ich bin (mal wieder) auf das Thema positiv/negativ Feedback (positive Verstärkung / negative Verstärkung) gestoßen, oder auch operante Konditionierung nach Skinner. Ganz einfach weil es jeden Tag bestimmt. Im Umgang mit Tieren und natürlich auch mit meinen Mitmenschen und Kindern. Es ist nicht der erste Blogeintrag dieser Art und auch kein neues Thema. Irgendwann stößt jeder auf Frage: Belohnen und Bestrafen. Ja oder Nein ? Ich lebe auch im ständigen Wandel. Lerne jeden Tag dazu, mit und von den Kindern. Meine Kinder animieren mich sehr dazu meine eigene Kindheit zu reflektieren. Ursachen auf den Grund zu gehen.


ZEITmagazin:
Herr Juul, Sie sagen, Strafen seien Machtmissbrauch. Ist es denn ernsthaft möglich, ein Kind zu erziehen, ohne zu strafen?


Juul: Oh ja! Auch Belohnung, die postmoderne Version von Bestrafung, sollte man verbannen.  


Das Problem, sagt der Sozialwissenschaftler Alfie Kohn, ist gerade die Verknüpfung der Handlung mit Lob. Kinder, die zum Beispiel dafür gelobt oder belohnt wurden, etwas Nettes zu tun, „neigen dazu, ihr Verhalten auf diese Belohnung zurückzuführen. Wenn kein Lohn mehr zu erwarten ist, helfen sie nachweislich weniger oft als Kinder, die von Anfang an keinen Lohn dafür bekamen.“ Erreicht wird also das Gegenteil eines guten Sozialverhaltens: „Der Blick des Kindes wird nur auf die Folgen seines Verhaltens für es selbst gerichtet – anstatt darauf, welche Auswirkungen es auf Andere hat“, beobachteten auch die amerikanischen Psychologen Martin Hoffman und Herbert Saltzstein.

Aufmerksamkeit ist Anerkennung genug! weiter lesen hier

Urnaturaen: Am Tierexperiment hat man also gesehen, dass es den Tieren im Prinzip egal war, welche Verstärkung Sie bekommen. Hauptsache eine positive ODER negative Verstärkung. Besser als keine Verstärkung. Besser als ignoriert werden. Wer möchte denn ignoriert werden ? Das kann man doch wunderbar, bei Kindern sehen. Werden Sie nicht wahrgenommen, unternehmen Sie etwas um zu gefallen oder um aufzufallen, um ein Feedback zu bekommen. Das ist ein kleiner Teufelskreis. Ignoriere ich mein Kind also ständig, oder bin nur flüchtig im Umgang, verstärkt sich das Verlangen nach dem negativen Feedback d.h. ich gebe dem Kind negatives Feedback, indem ich ständig schimpfe oder sogar bestrafe. Andersherum kann sich wie beschrieben, auch das Verlangen nach positivem Feedback (Materiel / Lob) verstärken. Weshalb das Lob an sich durch positives Bestärken / Bewusstes Wahrnehmen ersetzt werden könnte.

Die Intention des Kindes ist meist einfach nur Aufmerksamkeit. Das scheint irgendwie ein Problem zu sein, in der heutigen schnelllebigen, keine Zeit, Frau muss alles unter einen Hut kriegen Welt. Wieso nicht einfach die Aufmerksamkeit geben, die das Kind braucht ? Wovor hat man Angst ? Das Kind könnte einen später auf der Nase herumtanzen ? Man könnte es ja auch einfach mal probieren, das Kind durchweg positiv zu bestärken. Nicht durch Materialien. Nicht durch überschwängliches Lob. Zwischendurch einfach nur signalisieren, dass man die Dinge wahrnimmt. Das Kind wahrnimmt. Blickkontakt. Körperkontakt.

Die Antwort auf ein unkooperative Kind und wie ich diese Situationen lösen kann, könnte als sein – positives Feedback geben! Auch wenn es bisher in der Wissenschaft und unter Pädagogen strittig ist. Die alte Schule der ‚Strafe muss sein‘ sonst tanzt mir mein Kind doch auf der Nase herum, existiert leider immer noch in sehr vielen Köpfen. Es wurde selbst so erlernt und wird leider auch so weitergegeben.

GEWALTFREIE KOMMUNIKATION

Handlungsalternativen stehen uns, meine ich, eindeutig zur Verfügung. Der Mensch kooperiert von Natur aus, Empathiefähigkeit ist angeboren, was auch die Neurobiologie u.a. mit dem Nachweis der Spiegelneurone wissenschaftlich untermauert (Prof. Joachim Bauer). Empathie, sowohl mit uns selbst, als auch mit anderen Lebewesen, ist die Voraussetzung, um aus dem „Gut-Böse-Denken“, aus dem Lob und Tadel entspringen, heraus zu kommen. Und was mal angeboren ist, lässt sich auch trotz Erziehung mit Lob und Tadel wieder „entstauben“. Für mich ist die „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg eine echte Unterstützung, um aus meinem anerzogenen Richtig-Falsch-Denken heraus zu kommen. Meine Empathie mit mir und z.B. meinen Kindern, erlebe ich als verbindende Handlungsalternative zu Lob und Tadel. 
 Gewaltfreie Kommunikation
» Ich fühle mich so verurteilt von deinen Worten,
ich fühle mich so abgewertet und weggeschickt,
bevor ich gehe, muss ich noch wissen,
hast du das wirklich so gemeint?
Bevor ich meine Selbstverteidigung erreichte,
bevor ich aus Verletzung und Angst heraus sprechen,
bevor ich diese Mauer aus Worten baue,
sage mir, habe ich richtig gehört?
Worte sind Fenster oder sie sind Mauern,
sie verurteilen uns oder sprechen uns frei.
Wenn ich spreche und wenn ich zuhöre,
Licht der Liebe, scheine durch mich hindurch.
Es gibt Dinge, die ich sagen muss,
Dinge, die mir so viel bedeuten.
Wenn sie durch meine Worte nicht klar werden,
hilfst du mir, mich freizusprechen?
Wenn es so schien, als würde ich dich niedermachen,
wenn du den Eindruck hattest, du wärst mir egal,
versuch‘ doch bitte, durch meine Worte hindurch zu hören
bis zu den Gefühlen, die wir gemeinsam haben. «

( Ruth Bebermeyer )


OPFER VON OPFERN

Wie Jean Liedloff schon ganz richtig erkannt hat, sind wir alle Opfer von Opfern. Niemand von uns ist wirklich frei und hat sein Päckchen an verkorksten Verhaltensweisen von seinen Eltern mitbekommen. Insofern haben wir tatsächlich keine Alternative, als zumindest einen Teil davon wieder an unsere Kinder weiterzugeben. Aber wir können die Last verringern. Die Alternative zu Lob und Tadel, den beiden Seiten der Kritik (https://essentialtimes.wordpress.com/gut-gelobt-ist-halb-kritisiert/), lautet Wertschätzung, und die kann jeder lernen. Sie unterscheidet sich von der Kritik dadurch, dass sie keine manipulative Absicht verfolgt (Stichwort bedingungslose Liebe) und dass sie kein Urteil über den Empfänger fällt („Ich freue mich über deinen Erfolg.“ statt „Du bist ein/e gute/r …“). Der Unterschied liegt nicht primär in den verwendeten Worten, sondern in der zugrundeliegenden Haltung, und die kann man üben. Ich kenne einige wenige Menschen, die auf Kritik vollkommen verzichten können und habe inzwischen meinen eigenen Kritiklevel von etwa 95% auf vielleicht 5% reduzieren können.

Weiterführende Links 

Literaturempfehlung

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s