Überleben mit Schreibaby

Nichts braucht man, außer starke Nerven. (Über)Leben mit Schreibaby.

Schreibaby ? Highneed Kind ? Wie definiert man das überhaupt ?
Ist das nicht bis zu einem gewissen Grad normal ? Ich denke ja.

Inspiriert von der Artikelflut zu dem Thema, teile ich heute meine Erfahrungen und Gedanken mit euch.

Keine Schreigeschichte gleicht der anderen. Diese beschreibt unsere.

Auch wenn schon geschrieben wurde, dass Stillen, Tragen und Osteopath nicht immer der heilige Grahl sind. Ist es zumindestens wert dies zu probieren. Neben ganz anderen Dingen. Die viel schwerer fallen. Akzeptieren. Aushalten. Zum natürlichen zurück finden.

Vorab: Schreibaby ist ein kleines Unwort. Ich sage lieber Tragebaby. Denn wir sind von Geburt an Traglinge. Bei einigen scheint das auch tatsächlich das Problem bzw. die Lösung zu sein. Wenn man bedenkt wie klein die Trageszene noch ist, aber inzwischen den Mainstream erreicht hat, zum Glück.

 

Vor dem ersten Kind war ich, zumindest gedanklich, auf alles vorbereitet.
Fast, dann kam die Wochenbettzeit. Hoch emotionale Zeit. Mir war natürlich von Beginn an klar, dass mein Kind all meine Kraft und Zuwendung benötigt. Aber, dass ich irgendwann da stehe und wirklich nicht mehr weiß, was ich noch tun kann. Das habe ich nicht geahnt.

Erst schien alles ’normal‘. Die Kinder sind in den ersten 2 Wochen noch sehr schläfrig. Kommen erst einmal auf der Welt an. Verarbeiten die Geburt. Dann landeten wir nach einigen unruhigen Nächten und Tagen, bei einer Schreidauer von insgesamt 3 bis 4 Stunden von 24 Stunden.


Meine erste Geburt Februar 2014 verlief spontan, aber mit sehr vielen Eingriffen von außen. Daran und was für mögliche Auswirkungen dies haben könnte, daran dachte ich nicht. Dazu habe ich kürzlich und 2 Jahre zu spät, einen interessanten Artikel gelesen. Hier mehr: Wie die Art der Geburt das Leben eines Kindes beeinflusst 


Es lohnt sich zumindest einmal darüber nachzudenken. Es ist nicht egal wie wir geboren werden. Davon bin ich inzwischen überzeugt.

Es (die Geburt) war geschafft und die Glückshormone haben überwogen. Nun kann ich mich voll und ganz, auf das Kind konzentrieren. Fehlanzeige.

Heutzutage ergoogelt man sich sein Wissen. Wenige Wochen altes Baby nicht zu beruhigen usw. usf. Ich landete bei Checklisten, wie ‚Habe ich ein Schreibaby?‘ dort stand: Als Schreibaby gilt ein Baby, das über drei Wochen an mehr als drei Tagen die Woche mehr als drei Stunden schreit.

Bingo.

Neben Stillproblemen. Privaten Problemen. Nun auch noch ein Kind, was mit der Gesamtsituation unzufrieden schien. Ich habe jede Woche etwas anderes als Ursache empfunden. Meine Bemühungen gingen vielleicht einen halben Tag lang gut. Hauptsächlich geholfen haben:


    Tragen mit einem Tuch oder Tragehilfe ! 
    Überall. Bei der Hausarbeit. Draußen. Zum einschlafen.   

      Ich habe meinen ersten Sohn 6 Monate lang, abwechselnd mit meinem Mann jeden Abend in den Schlaf getragen. Es war die einzige Möglichkeit ihn zum Schlafen zu bringen. Im Nachhinein ist mir klar warum. Neben den körperlichen Ursachen, fehlte uns auch das Stillen. Welches bei meinem zweiten Sohn die absolute Einschlafgarantie ist. Weniger getragen habe ich ihn aber in den ersten 10 Wochen auch nicht. Es war ein Zusammenspiel von Stillen und Tragen. 

        Ein Kinderosteopath der etwas von seinem Handwerk versteht!

          Ich weiß das werden hier viele betroffene Mütter lesen, es ist nicht bei jedem DIE Lösung. Aber es sollten zumindest körperliche Ursachen für das Schreien, ausgeschlossen werden. Es gibt mindestens so viele, die keine Veränderung beobachten, wie jene die eine 100 Grad Wendung erlebt haben. Ich bin eine davon. Und es ist, es Wert auch diese Erfahrung zu teilen. Bevor man etwas verteufelt, was man nicht ausgeschöpft hat. Der Begriff Osteopath ist in Deutschland leider nicht geschützt. Es empfiehlt sich wirklich genau zu schauen, diese werden auch dementsprechend teilbezahlt von vielen Krankenkassen.

          Ich selbst, als Erstmama bin viel zu spät dort gewesen! Es stellt sich nach 2 Wochen eine sofortige Besserung ein. Durch die lange Geburt sind Nackenblockaden entstanden. Mein Sohn brauchte 4 Behandlungen, um das wieder in Ordnung zu bringen. Bis zu diesem Zeitpunkt, habe ich bereits 5 Monate im Dunkeln getappt und mich fast unserem Schicksal gefügt. Auch mein zweiter Sohn hatte körperliche Beschwerden. Aber ich ahnte das schon und machte direkt wenige Wochen nach der Geburt, einen Termin beim Osteopathen. Siehe da, langsam aber sicherstellte sich Besserung ein.

           

             Rituale einführen und beibehalten!

              Ungefähre Schlafzeiten einhalten, hat uns auch geholfen besser zu schlafen!

              Auch den Schlafbedarf an das Alter anpassen. Oftmals habe ich einfach aus Erschöpfung, meinen ersten Sohn mittags 2-3 Stunden schlafen lassen und oftmals sogar noch ein Powernap nach 17 Uhr. Bedürfnisorientiertes schlafen könnte man meinen. Die Kinder werden schon wissen, wann und wie viel Schlaf Sie brauchen. Aber es ist ein Teufelskreis. Das Kind kennt nicht den Unterschied zwischen Tag & Nacht. Muss erst seinen eigenen Schlafrhythmus finden. Warum denn nicht dabei etwas helfen ? Damit nicht alles den Bach runter geht. Schlaf ist heilig. Irgendwann brauchen wir alle mal eine erholsame(!) Ruhepause um Kraft für den Tag zu schöpfen. Also weckte ich morgens und mittags sanft. Ich schlich einfach in den Raum und kramte rum oder flüsterte etwas. Die Powernaps nach 17 Uhr habe ich ihn einfach als Alternative beschäftigt. Ab dem 5 Lebensmonat, geht es sowieso los mit mehr Aktivität und die Welt entdecken. Siehe da. Die Tage gingen nicht mehr bis 0 Uhr. Es stellte sich langsam aber sicher ein Rhythmus ein. Bei denen alle Familienmitglieder, mindestens einmal am Tag zur Ruhe kommen können. Ohne Angst zu haben. Wann geht es wieder los ? Wird das schlafen gehen, wieder ein Kampf ? Übersteht meine Beziehung/Ehe das ?
              Heute 2 Jahre später braucht mein erster Sohn immer noch diese Rituale.
              Es gibt immer wieder Tage oder sogar Phasen, die nicht ’nach Plan‘ laufen. Ist ja auch logisch. Wir sind auch nicht jeden Tag gleich müde oder gleich gelaunt. Kinder erleben auch immer wieder neue Entwicklungsstufen, die unruhig schlafen lassen. Aber man kann zumindest eine Richtung vorgeben. Meine Absicht war auch niemals das Durchschlafen. Warum Babys nicht durchschlafen ist ein guter Artikel zu diesem Thema. Nach mittlerweile 3 Jahren weiß ich selbst nicht mehr, was durchschlafen ist, selbst wenn ich es dürfte, könnte ich es wahrscheinlich nicht.



              Weitere Punkte die Einfluss auf das Gesamte nehmen können.

              – Zwischenmenschliche Beziehungen verbessern.
              – Am Umgang mit dem Partner arbeiten. 
              – Privater Stress anderer Natur beseitigen.
              – Bei der Sache bleiben. Die Situation anerkennen. Ein anderer Beitrag von mir dazu: Eine Einladung tiefer hinzusehen, denn es gibt kein Entkommen.
              – Sich selbst nicht vergessen. Nein das ist nicht egoistisch. Entspannte Mama, entspannte Kinder !

              Jesper Juul betont, wie wichtig es ist, sich Hilfe zu organisieren. Hilfe heisst Entlastung, Entspannung und die Möglichkeit, über die derzeitige Situation zu reden. In den ersten Wochen versuchen Eltern ihrem Baby Geborgenheit und Sicherheit zu geben. Wenn dann die Unsicherheit wächst, weil es nicht gelingt, das Baby zu trösten, beginnt ein Teufelskreis. Dieser Teufelskreis muss unterbrochen werden. weiterlesen


               
              Doch auch ein starkes Bonding, die Achtsamkeit bezüglich kleiner Dinge und Ruhe, sagen nichts voraus.
              Nichts was viel Geld kostet und einem suggeriert es würde helfen.
              Starke Nerven (!) viel Geduld, auch das Schreien aushalten zu können selbst im Tragetuch. Haut an Haut wippend auf dem Gymnastikball, auch wenn man das Kind mal abgelegt hat (und dennoch zusprechend in der unmittelbaren Nähe ist). Flexibilität braucht man. Alles unkäuflich. Keine Hintergedanken haben, was man noch alles zu erledigen hat. Ein ich würde jetzt gern aber z.B. was für mich tun und vor allem möchte ich, dass Du jetzt endlich (ein)schläfst. Störgedanken die einen oft Unruhe ausstrahlen lassen, welches ein (hyper)sensibles Kind vielleicht sogar merkt.

                

              Wunderbares Zitat von Gabriele Rudolph, welches mich selbst wieder daran erinnert hat, nicht so viel zu hadern. ( . . . )


              Mit der Zeit habe ich bei Entscheidungen, die anstanden, begriffen, dass es kein Entkommen gab, nur die Einladung immer tiefer hinzusehen und still damit zu sein, und ich muss sagen, auch wenn es oft eine echte Hereinforderung und ganz bestimmt nicht ohne war – wenn ich mich Dem, was war, gestellt habe – ganz und gar – blieb jedes Mal, ab dem Moment, wo ich wirklich dazu bereit war – nichts übrig – nichts als Stille.

              Denn wenn ich eine Situation zulassen konnte – so wie sie eben war – oder einen Menschenso nehmen konnte, wie er war, ebenso wie mich selbst, war ich in Frieden.
              Und manchmal zeigten sich mir – aus dieser Ergebenheit heraus – zudem noch überraschend angenehme Lösungen. Was hingegen oft sehr schmerzhaft war, war der Kampf gegen Das, was gerade stattfand.
              Dennoch ließ sich auch diese Erfahrung nicht abkürzen. Wünsche, Vorstellungen und Widerstände stiegen auf und fragten mich nicht, ob sie das dürfen. Ich konnte nur – wenn überhaupt – dazu stehen, dass da Widerstand, Sich-Sträuben, Kämpfen war und damit still sein – bis gesehen und liebevoll anerkannt wurde, was ablief und Loslassen geschah. 

              (Aus: “Das innere Kind und die Stille” von Gabriele Rudolph Mehr dazu unter http://www.einfachnursein.de/seite2…)


              Teil 2 folgt. Ich werde noch ausführlicher zum Alltag mit High Need Kind schreiben.

              Weiterführende Links: 

              Ernten Eltern tatsächlich immer das, was sie säen? Teil 1 

              Sind die pflegeleichten Kinder fair verteilt auf Eltern, die sich Mühe geben? Teil 2 

              Bindungsorientierte Erziehung und die besonderen Herausforderungen von high need Kindern Teil 3 

              10 Monate Schreibaby – ein schmerzvoller Rückblick

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