Die Natur der Frau die geboren ist um zu gebären.

Die Natur der Frau, die geboren ist um zu gebären.

Man selbst fiebert bei anderen Schwangeren sehr mit, weil man sich noch sehr an die Gefühlswelt erinnern an. Mein Plädoyer heute geht an die Angst. An die Zweifel. An Schwangere. An Werdende. An Gebärende.

 

Eine gute Geburt rückt die Bedürfnisse von Mutter und Kind ins Zentrum. 

Text von Ina May Gaskin. 

Weltweit ist der Hebammenberuf bedroht. In den meisten Ländern wächst die Zahl der Kaiserschnitte rapide und übersteigt die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation bei weitem. Mit steigenden Kaiserschnittraten erhöhen sich auch Müttersterblichkeit und die Gefahr schwerer Geburtsverletzungen. Dies schürt wiederum Geburtsängste. Ich habe Privatkliniken in Brasilien besucht, in denen 95 Prozent der Neugeborenen per Kaiserschnitt zur Welt kommen, weil Frauen wie Ärzte Angst vor dem natürlichen Geburtsvorgang haben. Wenn chirurgische und technologische Eingriffe bei der Geburt nicht Ausnahme, sondern Regel sind, verliert die Hebammenkunst ihre Existenzgrundlage. Gleichzeitig verlieren wir altes Wissen und traditionelle Kenntnisse, die vonnöten sind, um vaginale Steißgeburten oder Zwillingsgeburten durchzuführen, um das Gewicht eines Fötus manuell zu bestimmen, um zwischen normalen Geburtsschmerzen und solchen, die vor Komplikationen warnen, zu unterscheiden, um die Stellung des Kindes im Bauch zu erspüren und gegebenenfalls zu korrigieren oder um eine Schwangerschaft korrekt zu diagnostizieren: Denn in den USA wurden Scheinschwangerschaften in mehreren Fällen erst als solche erkannt, als der Bauch der Mutter bereits per Kaiserschnitt geöffnet worden war. Vor zwei, drei Jahrzehnten, als Mediziner noch in manuellen Fähigkeiten ausgebildet wurden, wären Fehler dieser Tragweite undenkbar gewesen. In den 90er Jahren wurde das Phänomen Scheinschwangerschaft in den beiden in den USA maßgeblichen Lehrbüchern für Geburtshilfe mit keinem Wort erwähnt, obwohl es seit jeher bei menschlichen und anderen Säugetieren auftritt. Nur ein Land, dessen Technologiehörigkeit abergläubische Züge angenommen hat, kommt auf die Idee, der Einsatz von Ultraschall mache traditionelle manuelle Diagnostik überflüssig und könne alle Komplikationen während der Schwangerschaft beseitigen.

(…)

Würden alle Länder das Wohlergehen von Mutter und Kind ins Zentrum der Schwangerschaftsbetreuung stellen, würde die Hebammenkunst eine Renaissance erleben. In manchen Ländern, so auch in meinem Heimatland, muss die Anzahl an Hebammen deutlich gesteigert werden, damit Komplikationen vermieden und die Zahl medizinischer Interventionen bei der Geburt gesenkt werden können. Für diesen Übergang benötigen wir viele Geburtsbegleiterinnen, die in die wichtigsten Entscheidungen um den Geburtsprozess eingebunden sind. In Ländern, die derzeit von der klinischen Geburtshilfe dominiert werden, gilt es, wieder ein ausgewogenes Verhältnis herzustellen. Hebammen dürfen nicht zulassen, dass sie von Geburtshelfern schikaniert werden, sonst sind die Gebärenden die nächsten, die schikaniert werden. Versuche, Hausgeburten in einem Land zu verbieten, lenken nur von den wirklichen Problemen ab und verschärfen diese. Geplante Hausgeburten dienen gesunden Frauen, die sich nicht mit dem Angebot des örtlichen Krankenhauses zufrieden geben, als notwendige Ausweichmöglichkeit und bieten Hebammen, die ihre Kenntnisse an natürlich gebärenden Frauen erproben möchten, eine Lernmöglichkeit. Hebammen für Hausgeburten werden fast überall in die Illegalität getrieben, selbst in den Niederlanden, wo betreute Hausgeburten eine lange Tradition haben. Die Entwicklung eines Landes lässt sich daran messen, inwieweit es das Recht Gebärender auf ein Geburtserlebnis, bei dem die Frau im Mittelpunkt steht, respektiert – ob die Geburt nun zu Hause oder im Krankenhaus stattfindet. Geburten sollten nicht als lukrative Ware betrachtet werden oder als Krankheit, bei der große Institutionen oder Regierungen Frauen vorschreiben, wie sie gebären sollen, ohne auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Mütter einzugehen. Andernfalls werden Frauenkörper allzuoft Männern anvertraut, die sie herumkommandieren – etwas, das keine andere Säugetierart erlaubt. In manchen Ländern unterstehen die Hebammen der totalen Kontrolle der Mediziner. Gerade dort sind Verordnungen für die Betreuung von Schwangeren von besonderer Grobheit. Es ist Zeit, diesem Verhalten ein Ende zu setzen – einem Verhalten, das traditionelle, indigene Völker nicht zulassen würden. Von ihnen müssen wir lernen. Den kompletten Text nachlesen könnt ihr Hier!

Zurück zu meinen Gedanken.

Mit mir ist etwas passiert nach der ersten Geburt. Was ich mir selbst nicht ganz erklären kann. Ich schätze, es ist einfach ein großer Drang gewesen. Das erlebte, nicht noch einmal zu erleben. Es unbedingt anders machen zu wollen. Nicht wieder zu sehr auf äußere Einflüsse eingehen. Zweifel stiften lassen. Es ist wie bei vielem, was man zum ersten Mal macht auch der Unerfahrenheit geschuldet. Man steckt in der Zwickmühle. Diese ganzen Ärzte. Berichte von Müttern. Hebammen. Die ja erfahren sein müssten. Die wissen schon, was sie tun. Auch besorgte Familienmitglieder, die einen regelmäßig ins Gewissen reden. Einen mit negativen Geburten bombardieren. Mir soll das nicht passieren, also wähle ich den sicheren Weg. Den Weg der ständigen Kontrolle. Den Weg, der alle zufrieden zu stellen scheint. Was ist mit mir ? Ich bleibe in der beständigen Besorgnisspirale. Wie oft bekommt man zu hören, dass man nicht genau weiß, was los ist. Es wird jetzt einfach präventiv gehandelt. So kam mir die ganze Prozedur im Krankenhaus vor. Alles wird irgendwie präventiv getan. Bestimmend. Ohne Rücksicht auf Gefühlswelt von Mutter und Kind. Mir geht es hier um Intuition. Nicht um medizinische Maßnahmen, die eindeutig von nöten sind. Um das mal vorwegzunehmen. Intuition. (Oton) Ohja… wie blauäugig von mir. 

Meine Intuition hat mich nicht getäuscht. Trotz nicht ‚komplikationsloser‘ Hausgeburt blieb mir eins erhalten. Mein Seelenfrieden. Mein Frieden und der des Kindes

Ich wurde nicht alle 2 Stunden geweckt zum Blut abnehmen, oder sonst irgendwelche Tests. Mein Kind wurde nicht alle 3 Stunden von mir weggenommen und schreiend wieder gebracht. Mir wurde nicht gleich, wenig Stunden nach der Geburt eine Flasche mit Pulvermilch hingestellt. Im Glauben ich bekomme das nicht hin, das Kind trinkt zu wenig. Der gelbe Streifen auf der Windel ist noch nicht blau. Stillprotokoll führen. Dienst nach Vorschrift. Wert XY ist ganz knapp unter/über dem Soll. Da versetzen wir Laien erst mal in Panik. Oder wir selbst verschaffen uns ganz schnell mal Klarheit über Dinge, die andere jahrelang studiert haben. Studiert haben Sie scheinbar aber nicht den Umgang mit frischgebackenen Müttern oder Schwangeren. Die lassen doch alles über sich ergehen, weil Sie in stetiger Besorgnis sind, selbst gar nicht unterscheiden können, was nun von Wichtigkeit ist oder nicht. 

Es mag durchaus viele Frauen geben, die sich geborgen und sicher in einem Krankenhaus fühlen. Ganz gezielt und bewusst dort hin gehen zum Gebären. Sogar mit ‚eigener‘ Hebamme. Aber ich schätze, die höhere Prozentzahl der Erstgebärenden, wird nach der ersten Geburt im Krankenhaus, nicht mehr dort hingehen wollen. Höchstens wieder das Gefühl haben, es zu müssen. Was widerstrebt uns da ? Ich denke das Gefühl kommt nicht von ungefähr.

Ich selbst hatte nach meiner ersten Geburt, so eine Panik vor dem Krankenhaus, dass ich lieber den Weg der Hausgeburt gewählt habe. 
Auch das kommt mit Sicherheit nicht von ungefähr.

Selbst verschuldete Panik ? Vielleicht habe ich aber auch endlich die Besorgnis abgelegt. Ja, ich wollte nicht in ständiger Besorgnis leben. Ich habe die Schwangerschaft und Geburt einfach passieren lassen. (Oton) Wie blauäuig von mir.

Die westliche Welt ist so technikverrückt, organisiert und übervorsichtig, dass es einfach oft zu viel des Guten ist. Wir vergessen deshalb uns selbst. Unsere Bestimmung. Unsere Natur. Die Natur der Frau. Die geboren ist, um zu gebären.

Nicht umsonst begleitet eine Frau ‚eine Frau‘ beim gebären. Weil sie den Körper der Frau kennt. Den Ablauf einer Geburt kennt. Und das nicht nur theoretisch!

Das gibt es auch in der Tierwelt zu beobachten: Während der Geburt eines Elefantenbabys stellen sich andere Elefantenkühe vor die Mutter und beschützen sie. Elephants in the wild have midwives who surround them in a circle during their labor

„Eine Gesellschaft, die ihren Müttern und dem Vorgang der Geburt einen geringen Wert beimisst, wird unter einer Reihe schlechter Folgen leiden. Gute Anfänge machen einen positiven Unterschied in der Welt, und deshalb ist es aller Mühe wert, wenn wir Müttern und Säuglingen die bestmögliche Fürsorge in dieser enorm richtungsgebenden Lebensphase angedeihen lassen.“ Ina May Gaskin


Fortsetzung folgt.

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