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"Eine Geburt gehört zum Leben dazu und ist nichts, was überwacht werden muss!" – Interview mit Autorin Sarah S



Einige werden die Bücher von Sarah Schmid kennen ‚Alleingeburt‘ & ‚Babyzauber‚. Ich durfte der deutschen Ina May Gaskin einige Fragen stellen.

„Eine Geburt gehört zum Leben dazu und ist nichts, was überwacht werden muss!“ 



„Jede Frau sollte aber zu allererst so gebären, wie sie sich am wohlsten fühlt. Dabei gibt es keinen einzig seligmachenden Weg.“






Ich bin Jahrgang 81, Christ, habe Medizin studiert. Ich bin seit 10/06 samt Familie nach Schweden ausgewandert und 4/13 weiter nach Frankreich. Wenn ich nicht gerade unsere Kinderchen hüte, schreibe, male und schneidere ich gern. Ich liebe es, allen Dingen auf den Grund zu gehen, die Normen und Richtlinien unserer Gesellschaft zu hinterfragen, Will am liebsten alles wissen und frage immer „Warum?“ und „Wie kann man es vielleicht besser machen?“ Daraus ergeben sich dann alle anderen „Verrücktheiten“.



Urnaturaen: Was verstehst du unter Alleingeburt ? (Eine Geburt ohne Helfer oder kann man eine weites gehende ungestörte Geburt, mit Helfer zum Schluss auch als Alleingeburt bezeichnen ?)

Sarah: Alleingeburt ist der bei uns bekannteste Begriff für eine Geburt, die ohne das Beisein medizinischen Personals stattfindet. Deshalb wurde er vom Verlag als Titel für mein Buch gewählt. Im Englischen sagt man „Unassisted Birth“, also Geburt ohne (medizinische) Assistenz. Alleingeburt bedeutet nicht zwangsweise, dass die Frau ganz allein ist. Auch wenn es Frauen gibt, die genau das für sich brauchen. (Obwohl man eigentlich bei einer Geburt ja nie allein ist, mindestens das Baby ist dabei.) Ich bevorzuge Begriffe wie „Geburt in Eigenregie“ oder „freie Geburt“. Das legt den Fokus mehr auf die Dinge, die mir bei der Geburt wichtig sind: frei zu sein von Angst und Vorgaben und ganz selbst zu bestimmen.


Urnaturaen: Wie und wann bist du zu dem Alleingeburt Gedanken gekommen ? Bei vielen Frauen kommt dieser oft erst nach einer nicht optimal gelaufenen Krankenhaus oder Hausgeburt.


Sarah: Das war im Prinzip bei mir auch so. Obwohl ich in der ersten Schwangerschaft schon solche Gedanken hatte. Wenn wir im Wald spazieren waren, löste das bei mir zuverlässig die mich damals plagenden Verstopfungen. Ich dachte mir: So ähnlich muss das bei der Geburt auch funktionieren. Ich glaube, im Wald könnte ich gut entspannen und gebären. Ich hatte aber eine Hebamme engagiert und der Wald dort war auch nicht zum Gebären geeignet. Die Hausgeburt unserer Großen verlief dann allerdings nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. Die „falsche“ Hebamme (meine war zu einer anderen Geburt) kam zum falschen Zeitpunkt (als wir sagten, es braucht noch keiner zu kommen). Es gab einen Geburtsstillstand und stundenlang schmerzhafteste Wehen. Zum Glück kam meine Hebamme doch noch und meine Intuition kam auch wieder. Wir mussten nicht ins Krankenhaus für den gefürchteten Kaiserschnitt. Aber ich war auch nicht weit davon weg. Beim zweiten Kind wollte ich nicht wieder riskieren, dass die falschen Leute zur falschen Zeit kommen und mir meine Geburt kaputt machen. Da bin ich dann tatsächlich in den Wald gegangen (wir wohnten inzwischen woanders) und habe das Baby ganz allein gekriegt. Ich brauchte das für mich, um das angeknackstes Vertrauen in meine Gebärfähigkeit zu reparieren. Alle anderen Kinder kamen dann im Beisein meines Mannes. Einmal war auch unsere große Tochter dabei. Und beim fünften haben wir sogar ein Fernsehteam eingeladen, das eine Doku gedreht hat. Inzwischen ist mein Vertrauen in meine Gebärfähigkeit nicht mehr so leicht zu erschüttern.



Urnaturaen: Welche Literatur hat dir geholfen ? Welche würdest du anderen Frauen ans Herz legen ? Abseits deiner Bücher.


Sarah: Hilfreich für den Anfang fand ich „Die selbstbestimmte Geburt“ von Gaskin. Sehr gut auch die Bücher von Michel Odent. „Gebären ohne Aberglaube“ von Rockenschaub beleuchtet die medizinischen Aspekte sehr schön und wie viel „Scharlatanerie“ (seine Worte) in der Geburtshilfe betrieben wird. Viel gelesen habe ich auch Alleingeburtsbeburtsberichte im Internet. Vor allem solche, wo irgendetwas schief ging. Das fand ich sehr lehrreich für mich. Denn die meisten Komplikationen sind ja vermeidbar und ich konnte in Gedanken durchspielen, was ich in diesem und jenen Fall tun würde oder getan hätte.



Angst


“ […] solange das Kind in mir munter strampelt, brauche ich auch kein CTG, um zu wissen, dass die Herztöne gut sind. Viel wichtiger war mir, mich gesund zu ernähren, genug Bewegung und genug Ruhe zu bekommen. Die offizielle Vorsorge legt das Hauptaugenmerk auf das Erkennen von Abweichungen und Krankhaftem. Als Schwangere ist es mir wichtiger, so zu leben, dass Körper und Seele im Gleichgewicht sind und bedenkliche Zustände gar nicht erst entstehen können. Dazu gehört für mich ein entspannter, zuversichtlicher Gemütszustand, den ich mir u.a. durch die vielen Ultraschalluntersuchungen und damit einhergehende Sorgen in der ersten Schwangerschaft kaum hatte bewahren können.“ Zitat aus dem Interview mit stadtlandmama.de




Urnaturaen: Was denkst du, woher kommt die Angst der Frauen. Angst vor der Geburt. Angst vor dem Ernstfall. Angst vor dem Tod. Sicher möchte niemand auch nur das geringste Risiko eingehen. Aber eine Hausgeburt wird meiner Meinung nach, ganz klar als Risiko verklärt. Obwohl es dazu Studien gibt, die zeigen das dem nicht so ist. [In ihrer Studie „Severe adverse maternal outcomes among low risk women with planned home versus hospital births in the Netherlands: nationwide cohort study“ kam de Jonge zum Ergebnis, dass die Rate für wirklich schwerwiegende Zwischenfälle bei nicht-risikoschwangeren erstgebärenden Frauen bei 2,3 pro 1000 Hausgeburten lag, während 3,1 jener Frauen mit Komplikationen rechnen müssen, die in einer Klinik entbanden.]

Sarah: Geburt ist ein gewaltiges (Natur-)Ereignis, dass sich unserer Kontrolle entzieht. Gerade in der heutigen Zeit, in der man meint, alles unter Kontrolle zu haben, macht so ein Erlebnis natürlich Angst. Dazu kommt, dass wir Frauen Geburt nicht mehr lernen, indem wir unsere Mütter, Schwestern und Tanten beim Gebären beobachten – lange bevor wir selbst an der Reihe sind. Unser Bild von Geburt wird stattdessen geprägt von unrealistischen Fernsehbeiträgen und Horrorgeschichten anderer Frauen. Noch vor nicht allzu langer Zeit war Geburt zudem tatsächlich sehr gefährlich. Mangelernährung, mangelnde Hygiene und Armut sind noch nicht allzu lange her und führen in anderen Ländern immer noch dazu, dass viele Kinder und Mütter sterben. Aus unserer Geschichte ergibt sich also so etwas wie eine kollektive Angst vor der Geburt. Diese besagt: Kriegst du dein Kind zu Hause, stirbst du (denn so ist es unseren Urgroßmüttern ergangen, die unter mangelhaften Lebensbedingungen ihre Kinder kriegen mussten) oder du kriegst dein Kind im Krankenhaus und das ist der Horror (denn das haben unsere Großmütter und Mütter so erlebt, als es Mode wurde, Kinder im Krankenhaus zu gebären). Dann kommt noch die moderne Schwangerenvorsorge dazu. Sie spricht der Frau zwischen den Zeilen die Fähigkeit ab, ihr Körper könnte ganz von sich aus ein gesundes Kind wachsen lassen und gebären. Stattdessen bringt sie die Frau in Abhängigkeit und Angst, indem sie mit ständigen Kontrollen und Untersuchungen versucht, etwas Krankhaftes aufzuspüren. Es gibt also viele Gründe, warum die Angst heute so beherrschend ist.




Fragen von Lesern


Leser: Mir macht vor allem ein Thema Angst. Blutverlust. Wie erkenne ich wie viel zu viel ist? Angst nicht zu merken ob das Baby gut durch rutscht.

Sarah: Die Menge rein optisch abzuschätzen ist schwer. Da verschätzen sich auch erfahrene Geburtshelfer. Am besten lässt sich die Menge des Blutverlustes am eigenen Befinden ablesen. Nicht in Millilitern natürlich, aber im Verhältnis. Solange man noch aufstehen und umhergehen kann, kann der Blutverlust nicht schwerwiegend sein. Wenn man nicht mehr aus dem Bett hoch kommt, weil einem schwarz vor Augen wird, dann hat man mehr verloren. Der Kreislauf ist also ein guter Indikator. Schocksymptome (z.B. schneller Puls, Ohnmächtigwerden, anhaltenden Frieren und Zittern) deuten auf einen schweren Blutverlust hin. Man kann sehr viel dafür tun, dass das Baby gut „durchrutscht“. Eine aufrechte Körperhaltung, intuitives Bewegen während der Wehen, eine entspannte Umgebung … all das fördert den natürlichen Geburtsprozess. Im Krankenhaus wird leider viel getan, was für diesen Prozess hinderlich ist: Rückenlage, Liegen am CTG, Stress, Verlust der Spontaneität und Entspannung durch die fremde Umgebung, fremde Regeln und körperliche Berührung durch Fremde an den intimsten Körperstellen. Können die Geburtshormone ungehindert fließen, fließt auch die Geburt. Stress auf körperlicher oder seelischer Ebene hemmt den Fluss und provoziert Komplikationen. Nicht umsonst ist der Geburtsstillstand eine so häufige Komplikation im Krankenhaus. Gebären hat viele Ähnlichkeiten mit Stuhlgang haben und Sex. Alle diese Vorgänge unseres Unterleibes brauchen Privatsphäre, Spontaneität und Geborgenheit. Wer kann schon Stuhlgang haben, wenn er auf dem Rücken liegt und fremde Menschen ihm im Unterleib herumtasten? Wer kann beim Sex zum Höhepunkt kommen, wenn jemand mit der Stoppuhr daneben steht und den Count-Down zählt? Ganz ähnlich ist es beim Gebären.



Leser: Meine Hebamme meinte damals, dass es nicht so dramatisch ist, wenn sie zur Geburt zu spät kommt. Bei der Nachgeburt sieht sie es aber als notwendig dabei zu sein, z.B. um nachzuprüfen ob die Plazenta (vollständig) kommt. Wie läuft das bei einer Alleingeburt? Was ist, wenn das Kind (noch) nicht alleine atmet, z.B. abgesaugt werden muss. Ich hatte zwei tolle HG, meine Hebamme war anwesend, hat sich aber sehr zurückgehalten. Gerade die 1. war eigentlich eine Alleingeburt mit Hebamme, die hinter mir steht . Ich würde aber trotzdem ungern auf die Sicherheit verzichten, wenn wirklich was komisch läuft, dass jemand da ist und mich unterstützt. Ich hoffe, dass ich die Möglichkeit HG überhaupt noch habe, falls ich in ein paar Jahren ein 3. Kind möchte.


Sarah: Um die Plazenta auf Vollständigkeit zu überprüfen, muss man sich die Seite anschauen, die an der Gebärmutterwand angewachsen war. Sie erinnert von der Struktur her an einen Blumenkohl. Man schaut, ob alle Hügel da sind, oder ob es an einer Stelle wie ausgerissen aussieht. Wurde die Plazenta ohne gewalttätiges Druck und Ziehen geboren, ist sie in der Regel auch vollständig.

Wenn das Kind nicht gleich atmet, kann man es durch sanftes Rubbeln stimulieren und mit dem eigenen Mund absaugen. Es gibt auch entsprechende Absauginstrumente. Das kann man sich vorher besorgen, wenn einem das Sorge bereitet. Meiner Erfahrung nach reicht der eigene Mund zum Absaugen. Oft schluckt das Kind den Schleim auch einfach selbst.
Frauen, die lieber mit Hebamme gebären, sollte natürlich ihre Hebamme bekommen. Was derzeit in der deutschen Politik diesbezüglich läuft ist ein Trauerspiel. 




Leser: Was sagt sie zum Fall Anna R. ? Und hat sie nicht Bammel, dass sie belangt werden würde, wenn bei ihr mal was schief geht bei einer AG?


Sarah: Den Fall Anna R. wage ich nicht zu beurteilen. Ich war ja nicht dabei. Hinterher vom Hörensagen zu urteilen ist leicht, wird aber nicht offenbaren, was wirklich geschah, was vermeidbar gewesen wäre und was nicht. Meiner Meinung nach ist es skandalös, dass eine einzelne externe Person ganz allein für die Entscheidung der Eltern geradestehen soll. Egal, wen man hinzuzieht, sollte jeder für seine Entscheidungen selbst verantwortlich sein. Auch in der Geburtshilfe. Wenn ich eine Hebamme anheuere, weil ich nicht ins Krankenhaus will, und dann geht etwas schief, dann bin doch letztendlich ich verantwortlich. Ich hätte diesen Weg nicht zu gehen brauchen. Ich bin verantwortlich, mich umfassend zu informieren und eine Entscheidung zu treffen, mit der ICH Frieden habe – für die ich aber auch gerade stehen muss. Das Dilemma heutiger Geburtshilfe ist ja auch, dass wir Frauen unsere Verantwortung den Geburtshelfern übertragen. So eine Bürde sollte aber niemand tragen müssen, egal wie gebildet und erfahren er ist. Wenn es dann nicht so läuft, wie wir gehofft haben, dann verklagen wir ihn/sie. Als Folge steigen die Haftpflichtprämien und möglicherweise gibt es in Deutschland bald keine Hausgeburthebammen mehr. Anna R. hat ja eigentlich nur das getan, was die Eltern wollten und von ihr erwarteten. Abgesehen davon halte ich es für unbeweisbare, ihr Vorsatz vorzuwerfen. Soweit ich Anna kenne (aus persönlicher E-mail-Korresponenz), ist sie eine erfahrene Geburtshelferin und ich schätze ihren Rat sehr. Sie mag eine etwas eigenwillige Persönlichkeit sein. Aber das braucht es wohl auch, wenn man in der heutigen angstzentrierten Geburthilfe einen anderen Weg gehen will. Ich kenne viele Frauen, die ihr sehr dankbar sind, dass sie sie zu Hause begleitet hat. Oftmals nach Kaiserschnitt, bei Beckenendlage oder Zwillingen, wenn keine andere Hebamme dazu bereit war. Der Glaube unserer Gesellschaft in die absolute Überlegenheit der Medizin drückt sich auch in diesem Prozess gegen Anna aus. Es kommt im Krankenhaus ja genauso vor, dass ein Baby bei der Geburt stirbt. Selbst modernste Überwachung und über 30% Kaiserschnitte sind nicht in der Lage das zu verhindern. Und Babys sterben auch an banalen, vermeidbaren Dingen wie der Infektion mit Krankenhauskeimen. Hier werden auch Fehler gemacht. Auch hier gibt es Gerichtsprozesse. Aber in der Regel wird niemandem Vorsatz unterstellt und so weit mir bekannt ist, wurde noch nie auf Todschlag verurteilt. Denn dies alles geschah innerhalb des als unfehlbar angesehenen Systems. Wenn man alles tut, was dieses System vorschreibt, ist man aus dem Schneider. Also lieber einen Kaiserschnitt gemacht, als irgendetwas „riskieren“. Hat man etwas versäumt – wurde der als rettend angesehen Kaiserschnitt nicht gemacht, dann wird nie Vorsatz unterstellt. Wer will schon ein Kind auf dem Gewissen haben? Echte Probleme bekommt man als Geburtshelfer erst, wenn man sich außerhalb des Systems und seiner Glaubenssätze begibt – und dann etwas schief geht. Dann ist es plötzlich Vorsatz der Hebamme, wenn ein Baby stirbt. Ich weiß, dass es mir – wenn auch unwahrscheinlich – ebenfalls passieren kann. Selbst mit der besten Vorbereitung hat man nicht alles in der Hand. Wenn etwas schief geht, dann bin ich Schuld. Mit diesem Restrisiko lebe ich. Aber passieren kann immer etwas. Egal wo. Ich will lieber mir selbst die Schuld geben müssen als jemand anderem. Ich will lieber selbst die Verantwortung tragen, als jemand anderem Vorwürfe machen zu müssen.


Leser: Wie stehst du zu einer Alleingeburt bei (Mehrlingen) Zwillingen ?

Sarah: Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Jede Frau, ob mit Zwillingen oder nicht, muss sich informieren, herausfinden, was sie selbst will und dann überlegen, wie sie das umsetzt. Es gibt Frauen, die haben sich aus der alles beherrschenden Angst der Geburtsmedizin gelöst und sind ihren eigenen Weg gegangen. Auch mit Zwillingen. Andere schaffen es nicht, sich von den Stimmen der Ärzte und ihrer Umgebung zu lösen und genug Selbstvertrauen aufzubauen. Untersuchungsergebnisse können sehr viel Angst einflößen. Auf sie bewusst zu verzichten erfordert Mut. Das Vertrauen in unseren Körper wird uns Frauen heutzutage oft frühzeitig ausgehöhlt. Wenn dann keine Hebamme oder Freundin da ist, die unerschütterliches Vertrauen in die Schwangere mitbringt, knicken die meisten ein. Mit Zwillingen ist es doppelt so wichtig, auf sich selbst zu achten und sich gut zu ernähren, damit der Körper bis zum Ende durchhält. Sonst drohen Komplikationen, die man zu Hause unter Umständen nicht mehr in den Griff bekommt. Es geht nicht darum, einfach irgendwie schwanger zu sein und zu hoffen, dass bei der Geburt alles gut geht. Wenn man das etablierte System meiden will, muss man einen eigenen Weg finden, gesund schwanger zu sein und komplikationsarm zu gebären. Das gilt bei Zwillingen noch mehr als bei Einlingen. Letztendlich muss hier jede Frau ihren eigenen Weg finden und gehen. Ich kann nur vermuten, wie ich vorgehen würde, wenn ich Zwillinge erwarten würde. Aber es ist immer etwas anderes, dann auch in dieser Situation zu sein. So viele Faktoren und Umstände spielen in die Entscheidung mit herein. Unschwanger und aus dem Hier und Jetzt würde ich sagen: Ich mache mein Ding, wie gehabt. Hätte aber gern ein paar helfende Hände. Bei der Geburt, aber vor allem im Wochenbett. 





Geburtshelfer


Liebeshormon O x y t o c i n Dieser hormonelle Mechanismus reagiert störanfällig auf u.a. fremde Menschen und Umgebungen, fremde Gerüche, helles Licht und Eingriffe in die Intimsphäre. Eine Frau, die sich für ihre Geburt eine für sie passende Wohlfühlatmosphäre schafft, ist also alles andere als egoistisch.“ Zitat aus dem Interview mit stadtlandmama.de 



Urnaturaen: Wie siehst Du die Rolle des Vaters bei einer Geburt ? Meine Erfahrung ist, dass es oftmals die Männer (oder andere Menschen aus dem nahen Umfeld) sind, die die Skepsis und Zweifel am leben erhalten. Wenn eine Frau sich schon für eine Hausgeburt entschieden hat, kommt oft typisches wie : „Was ist wenn doch XY passiert“. // Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch viele Väter, die hinter der Entscheidung und den Wünschen Ihrer Frau stehen.


Sarah: Väter brauchen erfahrungsgemäß etwas länger, um sich auf den Gedanken Hausgeburt oder Alleingeburt einzulassen. Aber wenn die Frau dran bleibt, ihm sanft und stetig zu verstehen gibt, was ihr bei der Geburt wichtig ist. Wenn sie dem Mann Zeit gibt, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dann ziehen viele Männer mit ihrer Partnerin zur Geburt an einem Strang. Schlüsselerlebnis ist für viele Männer das Gespräch mit einer erfahrenen Hausgeburtshebamme. Bei der Geburt ist es dann die Aufgabe des Mannes, der Frau die optimale Geburtsumgebung zu schaffen. Geburtspool befüllen, Essen und Trinken herrichten, massieren, auf größere Kinder aufpassen und sie ggf. beschäftigen oder fernhalten … eben alles, was die Frau sich unter der Geburt wünscht zu erfüllen. Und wenn es nichts mehr zu tun gibt und man den Mann beschäftigt halten will, kann man ihm einfach die Videokamera in die Hand drücken. Über das Andenken freuen sich einmal die Kinder, wenn sie größer sind. 
J



Post Partum

Urnaturaen: Welche Unterschiede (körperlich & seelisch) hast Du erkennen können bei frühem abnabeln und spätem (Lotus Geburt) ? 


Sarah: Ich habe keinen persönlichen Vergleich, da meine Kinder alle spät abgenabelt wurden. Also weder früh noch Lotusgeburt. Belegt ist, dass spätes Abnabeln (nach Auspulsieren), dem Kind wertvolles Blut gibt, was ihm sonst vorenthalten würde. Solche Kinder haben mit einem halben Jahr deutlich seltener einen Eisenmangel. Was darüber hinausgeht, kann jede Frau meiner Meinung nach machen, was sie für richtig hält. Ich habe mir immer offen gehalten, wie lange ich die Nabelschnur dranlasse und auch eine Lotusgeburt in Betracht gezogen. Nach relativ kurzer Zeit sah die Nabelschnur aber immer tot und nutzlos aus. Da wusste ich für mich: Okay, kann ab.
 
Urnaturaen: Denkst Du Komplikationen und Probleme mit dem Kind nach der Geburt, sind auf die Art und Weiße der Geburt zurückzuühren ? Man spricht ja nicht umsonst von einem Geburtstrauma (Bei Mutter und/oder Kind). Es wird sehr schnell relativiert. „Hauptsache das Kind ist gesund“ wird meiner Meinung nach zu inflationär benutzt, um Interventionen zu rechtfertigen.

Sarah: Probleme mit dem Kind nach der Geburt können von der Geburt kommen, aber auch von anderen Dingen. Das ist schwer zu beurteilen. Ich finde es nach der Geburt wichtig, dass es Mutter und Kind gut geht. Und wenn die Mutter meint, dass ihr Kind wegen eines Geburtstraumas auffällig ist, dann muss man das ernst nehmen. Vielleicht stimmt es auch nicht, dass das Kind aufgrund der Geburt Probleme hat. Aber wenn die Mutter das so sieht, dann hat auf jeden Fall sie Bedarf, dass jemand mit ihr die Geburt aufarbeitet und ihre Sorgen ernst nimmt. Es geht dabei gar nicht so sehr darum, die objektive Wahrheit herauszufinden (die es eh selten gibt), sondern für die Mutter und ihr Kind eine Lösung zu finden. Die auch gern völlig subjektiv sein darf.


Stichworte und deine Gedanken dazu.


Schmerz: Bringt dich dem Kind näher; gehört nicht zu jeder Geburt, aber zu vielen; ein unerträglicher Schmerz rührt meist daher, dass störend in den Geburtsprozess eingegriffen wurde oder die Frau sehr viel Angst hat.


Bonding: Geht am besten, wenn Mutter und Kind sich nach einer schönen, selbstbestimmten Geburt in Ruhe kennenlernen dürfen. 

Stillen: Der Start ist wichtig. Außerdem gute Beratung, gutes Essen und Ruhe. Dann kann eigentlich jede Frau stillen. Eine schöne Fortsetzung der einzigartigen Verbundenheit von Mutter und Kind nach der Geburt.

Kaiserschnitt: Wäre in den allermeisten Fällen vermeidbar. Über 30% Kaiserschnittrate ist ein Armutszeugnis unserer modernen Medizin. Wenn die Frauen nur nicht dort hingehen würden, wo man ihnen die Bäuche aufschneidet …


Spirituell: Geburt ist ganzheitlich. Das heißt: Körper, Seele und Geist arbeiten gemeinsam daran, einen neuen Menschen hervorzubringen. Das Dilemma der Geburtsmedizin ist, dass sie Geburt fast vollständig auf das Körperliche reduziert. Wen wundert es, dass diese Herangehensweise für die Frauen oft unbefriedigend bis traumatisierend ist?


Hebamme: Eine erfahrene Hebamme, die dem Prozess Schwangerschaft und Geburt vertraut, ist Gold wert. Wer eine haben möchte, sollte auch eine bekommen. Selbst wenn man die Geburt lieber allein machen will; als Mutmacherin und Beraterin in der Schwangerschaft und im Wochenbett ist sie unersetzlich.

Vater: Sorgt (hoffentlich) für den schützenden Rahmen. Sollte wenn irgend möglich bei der Geburtsplanung mit ins Boot geholt werden.


Kinder: Ältere Kinder sind stolz, wenn sie bei der Geburt ihres Geschwisterchens zugucken können. Jüngere (bis 3-4 Jahre) können mit dem Geschehen meist nicht so viel anfangen. Für sie sollte man jemanden haben, der sich während der Geburt kümmern kann, falls es notwendig werden sollte.

Zuhause: Ist doch einfach am schönsten. Dort entspannt man wie nirgendwo sonst und muss auch nicht darüber nachdenken, wann man los fährt. – Wenn nicht gerade die böse Schwiegermutter bei einem wohnt oder sich eine dröhnende Baustelle nebenan befindet. Dann sollte man sich rechtzeitig über einen entspannenden Alternativort Gedanken machen.

Danke an Sarah für die Antworten.  

Mehr lesen zum Thema könnt ihr auf Sarahs Blog

Und im Videotagebuch ihre 6 Schwangerschaft hier! verfolgen.


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