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Von Heldenmuttis und PDA-Gebärenden. Konkurrenz unter Müttern.

Kurz zitiert aus dem Buche „Ich bin keine Super-Mama“ von Felicitas Römer 


Eigentlich war ich nicht sehr angetan von diesem Buch. Von Ratgebern und Meinungsbüchern anderer generell nicht. Es fiel mir wie viele andere Bücher im Second-Hand Shop in die Hand. Einigen Gedanken sind garnicht so verkehrt und in einer erfrischenden Art geschrieben, dass ich es hier festhalten möchte. Zudem beschreibt Brook Shields Geschichte mein erstes Geburtserlebnis ungefähr, weshalb es mir besonders ins Auge stach. Es lädt aber zum weiter denken ein, denn es ist eigentlich sehr oberflächlich bzw. nur kurz. beschrieben in diesem Text.

„Es ist viel wertvoller, stets den Respekt der Menschen als gelegentlich ihre Bewunderung zu haben“ Jean-Jaques Rousseau



Von Heldenmuttis und PDA-Gebärenden: Geburt als Leistungswettbewerb ?


Mütter von heute haben den Anspruch, ihre Kinder bewusst zu gebären. Vorbei sind die Zeiten, in denen die werdene Mutter im Krankenhaus von ihrem Kind „entbinden“ und sich zwangsläufig zum Opfer krankenhäuslicher Routine degradieren ließ. Sie möchte die Geburt selbst gestalten, auf dass sie zum rundum schönen und ergreifenden Erlebnis für Mutter, Vater und Kind werde. Ob Haus oder Wassergeburt, ob Kranken oder Geburtshaus, ob Gebärhocker oder Kaiserschnitt auf Wunsch: Die Palette der Möglichkeiten ist breit. Schwangere sind heute bestens auf die Geburt ihres Kindes vorbereitet, beherrschen Atem und Entspannungstechniken, sind medizinsch auf dem Laufenden und wissen genau, was auf sie zukommt. Zumindest theoretisch. Und manchmal wird es auch so ähnlich, wie sie es sich vorgestellt hatten, und alle Beteiligten sind anschließend glücklich und froh – zumal das Ergebnis ja atemberaubend beglückend ist und die massenhaft ausgeschütteten Hormone die durchgemachten Strapazen meistens schnell vergessen lassen. Wenn es dann aber doch ganz anders kommt als erhofft, ist das die erste ‚Schlappe‘ die die Mutter einstecken muss.

Vermutlich tendieren manche Frauen deshalb dazu, Geburten im Nachhinein zu verklären. Stellt man ein oder zwei kritische Nachfragen, relativiert sich das Bild dann meistens recht schnell. Da war dann eben der Arzt im Krankenhaus ein typischer ‚Halbgott in weiß‘ , die Presswehen waren die Hölle oder ein Dammschnitt trotz monatelanger Mandelölmassage leider doch nicht zu umgehen. Manche Mütter trauern, wenn sie einen Kaiserschnitt machen lassen mussten und ihr Kind nicht ’spontan‘ zur Welt bringen konnten, wie sie sich das gewünscht hätten. 

Andere sind enttäuscht, weil sie sich angesichts der überdimensionalen Schmerzen für den Einsatz einer Rückenmarksspritze – der sogenannten Peridualanästhesie oder kurz PDA entschieden haben, obwohl sie so gerne ‚tapfer‘ sein wollten. Und einige sind nach einer Geburt regelrecht traumatisiert, wie die Schauspielerin Brooke Shields, die in ihrem Buch ‚Ich würde dich so gerne lieben‘ erstaunlich offen von der Geburt ihrer Tochter berichtet: „Nachdem ich endlose vierundzwanzig Stunden Wehen, unzählige Spritzen mit Antibiotika und Pitocin sowie die Epiduralanästhesie ertragen hatte, war mein Muttermund erst drei Zentimeter weit geöffnet. Dr. Rebarber erklärte mir sanft, er müsse das Baby jetzt holen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits sehr erschöpft und einfach nur erleichtert, dass jetzt endlich etwas geschehen würde. Ich dachte: Ich muss ja nicht unbedingt die Heldin spielen, und ich fühlte mich wirklich nicht stark genug, um noch irgendetwas irgendwo hindurchzupressen.“ Schockiert ist sie dann von der Brutalität, mit der der Arzt das Kind holt „Derselbe Mann, von dem ich bisher nur Wärme und Unterstützung erfahren hatte, drückte nun mit seinem gesamten Gewicht auf meinen Bauch. …Ich spürte, wie er heftig zerrte, zog, sich auf mich stützte und konnte es gar nicht fassen, mit welcher Gewalt hier vorgegangen wurde.“ Doch es kommt noch schlimmer. Nachdem die in Handtücher gewickelte neugeborene Tochter dem Vater übergeben worden war, stellt der Arzt eine Uterusruptur fest. Neben Angst und Panik macht sicht bei Brooke Shields nun auch das Gefühl breit, um etwas Wichtiges und Schönes betrogen worden zu sein: „Ich blutete eimerweise, während er unser perfektes, stirnrunzelndes, engelsgleiches Babys im Arm hielt. Ich starrte auf dieses strahlende Bild des Vaters mit seinem Kind und kam fast um vor Eifersucht, Angst und Wut. Ich wollte sofort an seiner Stelle sein. Nach allem, was ich durchgemacht hatte, sollte das hier die Belohnung sein ? Ich hatte die ganze Arbeit geleistet und durfte nun die Früchte nicht genießen.“ Selten berichten Mütter so offen über ihre Geburtserlebnisse und die damit verbundenen vielfältigen Empfindungen. Monatelang hatte sich die Schauspielerin darum bemüht, schwanger zu werden, was nach vielen Arztbesuchen, etlichen Hormonbehandlungen und mehreren künstlichen Befruchtungen endlich gelang. Eine glänzende Karriere hatte sie bereits hingelegt, nun schien ihr ein eigenes Kind als Krönung ihres bisher erfolgreichen Lebens. „Ein Baby war doch das Wichtigste, was meinem Leben fehlte, und ich hatte fest daran geglaubt, dass ein Kind alles vollkommen machen und in ein ganz neues Licht rücken würde. Wenn ich erst einmal Mutter war, würden all die verschiedenen Aspekte meienr Welt zusammenfließen, und das Leben würde so sein, wie ich es mir erträumt hatte; ich würde endlich wissen wer ich wirklich war.“ Dass diese hochgesteckten Erwartungen schon bei der Geburt nicht erfüllt wurden, enttäuschte die Schauspielerin zutiefst. Dass sie später unter einer postpartalen Depression und massiven Schuldgefühlen ihrem Kind gegenüber leiden wird, ist sicher nicht monokausal auf die schwere Geburt zurückzuführen. Dass sie daran aber einen maßgeblichen Anteil hat, ist immerhin zu vermuten.


Nur natürlich oder schon masochistisch ? 

Von Geburtsdogmen & mütterllichen Rangordnungen.



Die Moderatorin Lisa Ortgries polemisiert in der Emma gegen das angeblich unter Frauen herrschende Dogma, nur eine Geburt unter Schmerzen sei eine ’natürliche‘ und ’normale‘ Geburt: „Unsere Erziehung, Bildung und Kultur baut darauf auf, dass der Körper unter die Kontrolle des Verstandes gestellt wird. Man brüllt nicht vor Schmerzen, man winselt nicht um Erlösung, Enthemmte Gefühle werden allenfalls auf der Leinwand oder in der Psychiatrie toleriert. Urin, Kot, Blut, Erbrochenes fließen nur im eigenen Intimbereich und selten gleichzeitig. Aber eine Gebärende soll all diese kulturellen Schranken mit Betreten des Kreißsaals hinter sich lassen und das möglichst natürlich finden?“


Folgerichtig verteidigt sie vehement eine schmerzfreie Geburt und plädiert für den routinemäßigen Einsatz der PDA: „Das ist die segenreiche Erfindung, die es möglich macht, bei Bewusstsein, aber schmerzfrei zu gebären, die aber bei der Bewertung einer Geburt unter Müttern einen drastischen Punktabzug nach sich zieht. ‚Mit oder ohne PDA?‘ ist stehts und immer die erste Frage, wenn es um den genauen Geburtsverlauf geht. Egal welchen sozialen Status oder welchen beruflichen Erfolge die PDA-Gebärenden in ihrem sonstigen Leben vorweisen kann – in diesem Moment wird sie sich jeder anderen Mutter, die gemäß dem biblischem Fluch ‚unter Schmerzen‘ geboren hat, unterlegen fühlen. Vielleicht sogar schämen, als wäre ihr die Medaille wegen Dopings aberkannt worden.“ Der bitter-ironische Schluss, den sie daraus zieht: „In der Hackordnung frisch gebackener Mütter stehe ich mit PDA und Not-Kaiserschnitt fast ganz unten. Nach mir kommt nur noch der schon im Voraus geplante Kaiserschnitt.“ 

In einem Mütterforum im Internet traf Lisa Ortgries mit spitzer Feder geschriebene Kolume auf regen Zuspruch – und auf ebens heftigen Widerspruch. Andere wiederum fragten, warum sie sich eigentlich so aufrege. Von wem sie sich angegriffen fühle? Ob sie wohlmöglich selbst das Gefühl habe, versagt zu haben um sich rechtfertigen zu müssen ? Warum sonst müsse sie so polemisch werden ? Und in der Tat fragt man sich, warum die Autorin so hämisch auf Frauen herumhackt, die eigentlich nichts weiter verbrochen haben, als ohne chemische Keule gebären zu wollen. Ortgries interpretiert diesen Wunsch kurzerhand als Ausdruck typisch weiblicher Leidensbereitschaft: „Aber das noch größere Rätsel für mich ist der Ergeiz der Frauen, die ansonsten eher schmerzfrei durchs Leben gehen, sich freiwillig dieser Tortur auszusetzen. Suchen sie die Herausforderung, weil Job, Alltag oder Beziehung sie nicht genug beanspruchen? Glauben sie, nur unter Schmerzen eine echte Frau zu sein?“ 

Ach, Frauen. Warum ist es bloß so schwierig, sich gegenseitig zu respektieren ? Warum kann eine Schwangere sich nicht für eine Geburt ohne PDA entscheiden, ohne gleich als ‚masochistisch‘ oder als ‚Heldenmutti‘ beschimpft zu werden ? Und warum kann eine Frau, die mithilfe von PDA oder Kaiserschnitt ihr Kind auf die Welt gebracht hat, dies offensichtlich nicht ohne schlechtes Gewissen tun ?



Zum Schluss ein Aufruf zur Ruhe. Respekt. Gelassenheit. Aber stets das Wissen zur weitergabe bereit. Mein Fazit des Gedankengangs.

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